Je mehr ich mich im Laufe der Zeit mit der Pferdezucht beschäftigt habe, um so häufiger kam die Frage auf:

Wie kann es sein dass manche Hengste oft verschrieen, und dann aber andernorts als Heroen gefeiert werden?
Es muss an dem spezifischen Einsatz in bestimmten Zuchtgebieten liegen die dem Erbgut des einen hier ein Mekka und dort ein Desaster bescheren.
Ein Hengst kann eben nur so gut oder schlecht - oder besser: negativ oder positiv verstärkend wirken wie es das Blut auf das er trifft auch zulässt. Dabei ist des einen Freud durchaus des anderen Leid und umgekehrt.

Stellvertretend für sicherlich viele oft verkannte Zuchthengste sei dies hier am Beispiel des Coriall (Holst.) näher erläutert.
Nachdem ich selber für meine Verhältnisse recht grosse Erfolge mit meinem Shannon feiern durfte fing ich an zu recherchieren - wer ist Coriall und was hat er eigentlich bewirkt und wieso ist er nach nur zweijährigem Deckeinsatz aus Holstein verschwunden?

Nun, die letzte Frage ist einfach zu beantworten:
er hatte die falsche Farbe.

Als Fuchs (wenn auch dunkel) war er in Holstein seinerzeit einfach  nicht am rechten Platz. So verschwand er bald in Richtung Belgien in das kleine Land der grossen Z-Pferde. Dort  wirkte er einige Zeit bevor er weiter nach Südamerika wanderte wo er auf intl Niveau auch sportlich von sich reden machte. Inzwischen wuchsen die ersten (wenigen) Kinder aus seinem kurzen holsteinischen Deckeinsatz  heran und machten durchaus von sich reden, immerhin verzeichnet das FN Jahrbuch 2004 aus nur 40 seiner im Sport eingesetzten Kinder allein acht mit einer JGS von über € 1.000, die gesamte Gewinnsumme seiner Nachkommen dürfte sich inzwischen über € 400tsd belaufen.

So gab es in Westfalen seinen Sohn Coriallo der unter Petra Epping dressurmässig bis GP gefördert wurde.
Albert Voorn brachte die quirlige Tnello Corona in den grossen Sport die später unter Peter Wylde erfolgreich war.
Die bekannteste Coriallo-tochter dürfte aber wohl Candy sein, zunächst unter Stefan Abt, heuer unter Alois Pollmann-Schweckhorst beständiger Erfolgslieferant in intl Springen und Championaten.

Die wertvollste Hilfe bei meiner Recherche lieferten mir die ausführlichen Dokumentationen des Otmar Beyer de Béhaux die ich an dieser Stelle allen interessierten zuchtbegeisterten Pferdefreunden nur wärmstens ans Herz legen möchte. Hier war es insbesondere der Artikel Vollblüter aus der Fundgrube der bis heute zu meiner Bibel geworden ist. So scheint es im Falle des Coriall die zufällige und doch im nachhinein so grossartige Anpaarung zweier bedeutender Holsteiner Edelblutlinien (Sacramento Song xx und Cottage Son xx als Urgrossvater des legendären Capitol) gewesen zu sein die - kaum gewonnen und erkannt so auch wieder zeronnen weil verkannt - durchaus mehr Aufmerksamkeit und Zuspruch verdient hätte.

Freunde und auch Zweifeler der heute so allgegenwärtigen S-Linie des Sandro finden hier interessanten Lesestoff zu den Ursprüngen und Einflüssen des alten Sacramento Song xx-Blutes mit all seinen Vor- und Nachteilen. Heute erlebt diese Linie aus dem hannoverschen kommend (und hier offensichtlich über das hannoversche G zur Passerpaarung gereift) insbesondere in Oldenburg über Sandro Hit eine Renaissance die selbst die Dominanz des Weltmeyerblutes über alle Zuchtgebiete hinweg noch in den Schatten zu stellen droht. Kunststück, ist Sandro Hit doch reinerbig dunkel und liegt damit voll im Modetrend der Zeit. Doch wissen die modebewussten Trendrenner eigentlich was sie da kaufen? Mitnichten handelt es sich bei diesen lackschwarzen Pferdchen um eine eigens fürs Viereck geschaffene Blutlinie die über genetisch konsolidierte Dressurgene im eigentlichsten Sinne verfügt. Lediglich die zu Hauf gezielte Anpaarung dieses Blutes an dressurorientierte Stämme dürfte hier wohl in der Masse den Ausschlag geben. Sandro Hit und die Geschichte des ureigentlich springbetonten holsteiner S-Blutes - eine lesenswerte Lektüre für jeden sportorientierten Züchter.

Hier ein Auszug über Sandro aus Eylers Hengstregister 1992/93 - also von weit vor der Zeit als man begann in dieser Linie vornehmlich schwarze Dressurpferde zu sehen:

"Abstammung:
Sacramento Song xx wirkte sieben Deckzeiten als Privathengst in Holstein, wurde aber leider züchterisch nicht genügend genutzt, denn aus heutiger Sicht muß er wohl als einer der besten Springpferdevererber Holsteins seit dem Kriege angesehen werden. Trotz zahlenmäßig begrenzter Nachkommenschaft waren für ihn 40 Springpferde erfolgreich bis zur schweren Klasse, darunter Ausnahmepferde wie Société (D. Hafemeister, N. Pessoa), San Siro (G. Müller, Lebensgewinnsumme über 30.000 DM) oder eben Sandro (F. Sloothaak, Lebensgewinnsumme über 50.000 DM). Der Inhaber des Hochsprung-Weltrekordes Leonardo (1991 in Paris über 2.35 m) führt Sacramento Song xx als Muttervater. Sandros Vollbruder Salvador 51 war ebenfalls ein sehr gutes Springpferd mit einer Lebensgewinnsumme von rd. 7.800 DM. Vater der Mutter ist der überragende Springpferdemacher Wahnfried, dessen bekanntester Nachkomme zweifellos der großartige Sb-Spezialist Wabbs (W. Mehlkopf, Lebensgewinnsumme über 350.000 DM) ist - und dieser Wabbs ist ein direkter Vollbruder zu Sandros Mutter Duerte.

Eigenleistung:
Sandro ging als junges Pferd nach Dänemark, wo er auch als Deckhengst eingesetzt wurde. 1985 nach Deutschland zurückgekehrt, holte er über DM 50.000 an Gewinngeldern in S-Springen unter F. Sloothaak. Nebenbei war er per Frischsamenübertragung Beschäler auf dem Schockemöhle-Gestüt Calveslage.

Vererbung:
In Dänemark hinterließ Sandro mit Oxenholm Pioneer einen ausgesprochen typvollen Beschälersohn. In Oldenburg konnten aus seinen ersten Fohlenjahrgängen gleich acht Junghengste gekört werden, darunter 1989 der Prämienhengst Sao Paulo (LdB Celle) und 1990 der Siegerhengst Sandro Song. 1990 durchliefen vier seiner Söhne die Hengstleistungsprüfung in Adelheidsdorf, alle erzielten ein Gesamtergebnis von über 100 Punkten, drei mit einem Springindex von mehr als 120 (Silvio, S.304, sogar mit 138 Zählern) und alle mit überdurchschnittlichem Rittigkeitsindex."


Nicht nur im Hinblick auf holsteinische Blutführung sondern insbesondere auf den grossen Einfluss von Edelblut insgesamt auf die heute in Europa sporterfolgreichen Zuchtgebiete bieten die Seiten von Herrn Béhaux aussagekräftige Informationen. Bitte nicht von der französischsprachigen Titelseite abschrecken lassen, die meisten Seiten sind auf deutsch unter "documents ecrit" zu finden.

Um nun die Geheimnisse und Wirrungen der Sandroschen und Coriallschen Werdegänge zu begreifen empfehle ich jedem Interessierten ein Glässchen Wein oder auch ein Fläschchen Bier, je nach Gusto, um dann bitte hier weiterzulesen...

viel Vergnügen!  

zurück





Stedinger von Sandro Hit x Landadel x Futuro, ein Paradebeispiel
von einem vermeintlichen Dressurpferd mit Springpferdepedigree zum träumen...