Fidermark

                                                                                           sein züchterisches Erbe

                                                                 
 

Sieben Jahre ist es her, seit dieser Hengst nun tot ist. Seit mehr als zwölf Jahren hat dieser Hengst mein reitsportliches und züchterisches Denken und Handeln geprägt wie kein Zweiter - Fabrice und Fannie Mae, seine beiden Töchter, sind mir hoch und heilig, ihre Fohlen, Fidermarks Enkel, sind mir Jahr für Jahr die grösste Freude und Erfüllung. Und mit jedem Fohlen dieser beiden empfinde ich Jahr für Jahr aufs Neue wie richtig und gut die Entscheidung war diesen Weg zu gehen, wenn ich auch seinerzeit im Traum nicht daran gedacht hätte, dass dieser Hengst einmal die Basis meiner eigenen kleinen Pferdezucht darstellen und mein Leben auf diese Weise gleichermaßen auf den Kopf stellen würde. Zeit für einen Rückblick also, Zeit das züchterische Erbe des Fidermark einmal zu hinterfragen.
Kritisch zu hinterfragen.


Der Mutterstamm

Tatsächlich ist Fidermark einer der wenigen Hengste, der seine Fans sehr wohl zu entflammen versteht, dessen Mutterstamm ich aber gleichwohl nie irgendwo sachlich diskutiert oder gar in Frage gestellt gehört habe. Man staunt.
Sollte man nicht meinen, ein Hengst mit einer wohl gesonnenen und breiten Anhängerschaft wie dieser, würde auch sachlich analysiert?
Gerade weil aufgrund seines frühen Ablebens die Eigenleistung in den Hintergrund rückt und ausschließlich die Nachkommenleistung zählt?
Eine Nachkommenleistung, insbesondere wenn sie sich fürderhin über seine verbliebenen Töchter in der Zucht definiert, die in allererster Linie genetisch abgesichert zu sein hat - insbesondere über den Mutterstamm des in Frage stehenden Hengstes?

Die diversen Vollgeschwister des Fidermark haben mich anlässlich ihrer öffentlichen Auftritte (Stutenschauen und Hengstvorauswahlen) in der Tat nicht wirklich zu begeistern gewusst. Zu einem grossen Teil lag das sicher auch daran, dass meine Erwartungen ob der schlicht einzigartigen Selbstdarstellung des Fidermark selbst stets sehr hochgesteckt waren - da kann ein anderes Pferd eigentlich nur verlieren. Sachlich betrachtet liegt es in erster Linie aber wohl daran, dass die Genetik an sich so vielfältig ist, dass selbst aus hundertfacher Anpaarung der selben Stute an den selben Hengst durchaus hundert verschiedene Pferde hervorkommen können, von denen manch eines einen klaren Zuchtfortschritt verkörpert und sich allein dadurch für die Weiterzucht empfiehlt (Fidermark), während andere oft suboptimal oder zunächst weniger bedeutend daherkommen. Der Beurteilung von Vollgeschwistern insbesondere prominent besprochener Pferde heutzutage wird m.E. eine viel zu grosse Bedeutung beigemessen - fälschlicher Weise eben, zum Guten wie zum Schlechten. Es ist die Breite des Mutterstammes an sich und dessen diverse Verzweigungen allein, der überhaupt nur eine sachliche Analyse für die Zukunft zulässt und fordert.
Weshalb ich die verbandsinternen Schautitel seiner Vollschwestern gern als "political correctness" und weniger als sachliche Einschätzung von Werthaltigkeit quittiere. Beide Vollschwestern des Fidermark verfügen jedoch inzwischen über sporterfolgreiche Nachzucht in Aufbauprüfungen. Ganz nebenbei errang Fidergirl I 1999 den Schautitel "Europäische Vizechampioness". Ihr Sohn Daily Mirror von Damon Hill wurde 2006 in Westfalen gekört. Eine rheinisch gebrannte Tochter des Trakehners Rastenberg (von Van Deyck x Cocktail T. x Postmeister) a.d. Fidergirl trat seinerzeit zum Fohlenchampionat in Lienen an.

Der bekannteste gekörte Sohn dieses Mutterstammes in Deutschland dürfte derzeit der unter Eva Möller sporterfolgreiche Soliere von Sandro Hit x Donnerhall x Einblick sein. Bei der dritten Mutter diese Hengstes von Einblick handelt es sich um die St.Pr.St. Elfe, Mutter der Watonga und damit Grossmutter des Fidermark. Die hochdekorierte StPrSt Elfe, später selber bis Grand Prix ausgebildet, rangierte 1994 auf Platz sechs der Ratje Niebuhr Schau und ist Vollschwester zu springerfolgeichen Sportpferden. Darüber hinaus brachte Elfe in Anpaarung mit Weltmeyer die Vollschwestern Woitana I und II und Welfin, letztere siegreich in Reitpferdeprüfungen. Woitana I ist Mutter der beiden gekörten Hengste Stoiber (von Sandro Hit) und Dardanos N (von Davignon).
In Anpaarung mit Sandro Hit brachte Woitana I ferner Surprise du Jour, eine Stute, die zunächst im oldenburgischen Rastede hochplatziert von sich reden machte und später anlässlich der PSI Auktion 2001 für sagenhafte 530.000 Euro den Besitzer wechselte.
Watongas rechte Schwester Woitana von Weltmeyer darf man also mit Fug und Recht als bemerkenswertes und züchterisch hocherfolgreiches Pferd bezeichnen.
Als Tochter des 1973 geborenen Leistungsvererbers Werther (NGS über € 1,5 Mio und noch heute annähernd 130 direkte Nachkommen in der S-Klasse unterwegs, davon ein Drittel im Springen) suggeriert Watonga selbst durchaus auch springorientierte Zuchtleistung. So ist es wenig überraschend - aber doch weitgehend unbekannt - dass Watonga mit ihrem Sohn Palegro von Power noch weit vor ihrer Florestanschen Blütezeit bereits einen gekörten Bundeschampionatsteilnehmer und später sogar bis S erfolgreichen Sohn für den Sport und die Zucht geliefert hat, über den ob seines polnischen Besitzes heute nur niemand mehr spricht. Darüberhinaus bereitet Fidermarks Vollbruder For Joy der Züchtertochter dieser Tage viel Freude im ländlichen Turniersport und hier vornehmlich im Springen siegreich bis zur Klasse L und das weiss ich sehr zu schätzen - definiert sich die Werthaltigkeit eines Mutterstammes doch über für beide Disziplinen erfolgreiche Nachkommen.
Über noch nachvollziehbare direkte Sporterfolge des Mutterstammes verfügt Lyra von Lasso x Pik As x Goldfalk, die in den siebziger Jahren ebenfalls im Springsport bis zur Klasse S erfolgreich war. Lyra ist Vollschwester zu Lassia, der dritten Mutter des Fidermark, und Vollschwester zu fünf Verdener Auktionspferden.
    
Interessant ist die Verbreitung des gegenwärtig eher schmalen Mutterstammes im Ausland:
so findet sich erfolgsversprechende Nachzucht aus Töchtern dieses Stammes ausgerechnet in Dänemark und Finnland wieder, darunter ein weiterer gekörter Sohn aus einer quasi Dreiviertelschwester des Fidermark, Fenestra von Florestan a.d. Finale von Fortissimo a.d. Watonga von Werther. Besagte Finale verfügt desweiteren über sporterfolgreiche Nachzucht in Deutschland.
Mit der bereits o.g. Woitana II von Weltmeyer befindet sich in Dänemark eine erfolgreiche und vielversprechende Stute in der Zucht, derzeit tragend von Belissimo.

So viel zu Fidermarks durchaus vielseitig orientiertem und leistungserwiesenem Mutterstamm.
Bleibt die Frage nach seinem eigenen züchterischem Erbe, und hier insbesondere ob der Vielzahl der gekörten Söhne.
Die Fakten sind schnell zusammengestellt, aber belegen sie auch die Bedeutung, die ich ganz persönlich diesem Hengst zuschreibe?


Die Söhne des Fidermark

Von seinen reichlich gekörten Söhnen sind bis heute nur noch 24 im Hengstbuch I verzeichnet, ich erinnere mich an beinahe 50 Söhne, die noch zu Fidermarks Lebzeiten anerkannt waren. Aktuell verzeichnet er 307 eingetragene Stuten. Wenig genug (zum Vergleich: von Donnerhall sind derzeit noch annähernd 1000! Töchter registriert), allerdings wirkte Fidermark auch nur acht Zuchtjahre und erhielt davon anfangs, ob seiner Grösse eher belächelt, vielleicht nicht den meisten Zuspruch, und wurde später ob der Doppelbelastung durch Zucht und Sport und der daraus resultierenden abnehmenden Samenqualität auch nicht unbedingt zur vollsten Güte genutzt. Ich erinnere mich an eine Zahl von sechzig Stuten aus einem seiner letzten Jahre. Dennoch verfügt er über mehr als 600 eingetragene Nachkommen im Sport, von denen 37 in S erfolgreich sind. Dies entspricht einer unerhörten Quote von knapp 6%, die sich zweifellos sehen lassen kann - selbst sein Vater, der Stempelhengst Florestan, bringt es "nur" auf eine Quote von 6,55%. Tatsächlich werden Quoten von über 5% fast ausschließlich von Springhengsten erreicht, die meisten Dressurvererber liegen deutlich darunter. Diese Eigenart erklärt sich aus der simplen Tatsache, dass zahlenmäßig eben weit mehr Spring- als Dressurpferde im Sport unterwegs sind und ein Springvererber i.d.R. über eine deutlich höhere Nachkommendichte im Sport verfügt. Mit steigendem Niveau (S) erhöht sich die S-Quote zu Gunsten der Springvererber darüberhinaus überporportional - drei Pferde unter ein und dem selben Reiter in einem ländlichen S Springen sind keine Seltenheit - in einer S Dressur gleicht dies allerdings eher einer Sensation.
Der erfolgreichste Nachkomme des Fidermark dürfte wohl der mittlerweile für Schweden international startende Wallach Favourit sein, der seine Ausbildung und Grand Prix Reife keinem geringeren als Hermann Gösmeier verdankt. Ein weiterer Sohn, der bereits in jungen Jahren als potentielles Championatspferd von sich reden macht, ist Franziskus (Mv Potsdam) unter Hubertus Schmidt. Mit Farewell III und Falsterbo sind zwei seiner im Deckeinsatz stehenden Söhne ebenfalls mehrfach S erfolgreich.
Die grösste Anzahl seiner vielversprechenden Töchter aber dürfte gar nicht erst im Sport erschienen (oder nur vorübergehend in Aufbauprüfungen), sondern gleich der Zucht zugeführt worden sein.

Drängt sich die Frage nach dem Einfluss seiner gekörten Söhne auf und das ist eine Frage, die ich bis heute eigentlich nur wenig befriedigend für mich beantworten kann. Den Lordsiegelbewahrer des Fidermark unter seinen Söhnen habe ich bis heute für mich nicht ausmachen können, wenn ich auch lange Zeit glaubte, Fürst Piccolo sei es. Nicht zuletzt deshalb, weil dieser Sohn seinem Vater in Typ, Habitus, Grösse, Bewegungsqualität und ganz sicher auch Farbe am nächsten kommt. Doch lässt auch der kleine Fürst missen was seinen kleinen Vater eigentlich erst so richtig gross gemacht hat:
Die seltene und überaus wertvolle Eigenschaft, die Mehrheit seiner Nachkommen nachhaltig in all -oder doch zumindest den meisten- der oben genannten Eigenschaften zu stempeln. Man kann von Fidermark halten was man will, ein Stempelhengst war er ganz sicher. Der Grund, weshalb mir meine Fabrice, ein Abbild ihres Vaters von Fohlenalter an, bis heute lieb und teuer ist.
Gekört wurde landauf-landab proportional zu Fidermarks eigener wachsenden Beliebtheitsskala reichlich und mitunter sicher im Überfluss. Was ist davon geblieben?

Zweifelsohne ist der mangelnde Einfluss vieler seiner Söhne der Tatsache zuzuschreiben, dass sie einfach nicht die Chancen und Menge an Stuten bekamen, um überhaupt ihre Vererbungskraft aussagekräftig zu manifestieren. Allen voran hier sicherlich Farewell I, der erste der vier gekörten Vollbrüder aus dem Hause Baumann, der ebenso wie sein Vater ob seiner mangelnden Grösse als Zwerg verlacht wurde. Historie repeats itself. Warum lernen wir nur nicht daraus?
Der Zwerg verschwand also recht schnell von der Bildfläche und ich möchte behaupten, durchaus zu Unrecht, kam er doch im Vergleich zu seinen Vollbrüdern seinem Vater, abgesehen von der Farbe, in allem am nächsten. Die wenigen seiner Kinder, die mir unter gekommen sind, möchte ich noch heute als ausserordentlich vielversprechend bezeichnen. Der eher pompös anmutende dritte Vollbruder scheint eher den Nerv der Züchterschaft zu treffen oder einfach nur von omnipräsentem Sporteinsatz zu profitieren. Dennoch sprechen die Zahlen des Jahrbuches selbst altersbereinigt durchaus eher für den Zwerg.

Wenn man Chancenlosigkeit anführt muss man auch diejenigen seiner Söhne nennen, die sicher Chancen gehabt haben:
als da wären im Landgestüt zwei Söhne des Fidermark zu nennen, denen dort neben Fürst Piccolo mehr als nur ein kurzer Deckeinsatz beschieden war:
Feinsinn und Fiano.
Ersterer aufgrund seines hannoverschen Mutterstammes aus dem Hause van der Decken über Bolero und Grande für mich gedanklich stets eine wertvolle Alternative, züchterisch dennoch hinter den Erwartungen zurückbleibend, vielleicht auch ob der Tatsache, dass dieses alt-hannoversche Blut nicht unbedingt spektakulär und typverstärkend daher kommt oder gar frühreife Schaustrampler produziert. Ganz sicher kein "typischer" Fidermark. Dennoch ein grandioses Reitpferd. Gerade seine späteren Erfolge sprechen für sich. Der züchterische Durchbruch blieb ihm mangels Nutzung schlicht verwehrt.
Der auffälligere Fiano wurde "ob seiner vielseitigen Reiteigenschaften" in jungen Jahren sogar in Springpferdeprüfungen eingesetzt um... ja, um was eigentlich zu beweisen?
Dass Fidermark-Kinder eigentlich nicht wirklich springen können (merke: "Springpferd" ist anders!), es aber unter entsprechendem Deckenlogo dennoch zu Achtungserfolgen reicht? Ein wunderschöner Hengst, zweifelsohne, dem aber einfach das letzte Quentchen Go fehlt. Über Frühlingsball ähnlich gezogen wie meine eigenen Stuten, und ich habe seinen Werdegang nicht zuletzt deshalb stets akribisch verfolgt, ein ordentlicher Reitpferdemacher zweifelsohne aber der nachhaltige züchterische Durchbruch ist auch ihm bis heute verwehrt geblieben.
        Feinsinn unter Carolin van der Linde

                                                                                                                  
                                                                                                                                                Bewegungswunder Fürst Fabio
 

Zu Fidermarks wahrlich spektakulärsten Söhnen (um nicht zu sagen: der spektakulärste schlechthin...) gehört sicherlich Fürst Fabio Mv World Champ, einstiger leuchtendbunter Bundeschampion von selten gesehenem Bewegungspotential (der Vergleich zu Quaterback in jungen Jahren drängt sich auf), der den Boden eigentlich nur aus Gefälligkeit zu berühren schien. Genie und Wahn liegen mitunter etwas dicht beieinander, so wurde dieser Strahlemann alsbald entmannt und seinem weiteren Werdegang auf internationalem Parkett unter Dr.Cesar Parra kann man nur mit grösster Spannung entgegen blicken.
Ebenfalls spektakulär und vom Fleck weg mit reichlich Vorschußlorbeer bedacht ganz sicher Fidertanz, der seinem Vater im Hinblick auf natürliches Gummi tatsächlich sehr nahe kommt. Schwungvoll, kompakt und pompös, ein begehrter Fohlenmacher ganz sicher. Es bleibt abzuwarten inwieweit diese Fohlen als Sattelpferde den hohen Erwartungen gerecht werden. Gibt es einen Komperativ zu "kompakt"?   
Chancen, insbesondere im Hinblick auf das nötige Marketing, hatte ganz sicher auch For Compliment auf prominentester Station. Und doch stand er alsbald zum Verkauf. Ich erinnere mich, wie ich anlässlich einer der Hengstschauen in Vechta mit einer lieben Freundin von ausserordentlicher züchterischer Versiertheit auf der Tribüne sass und wieder einmal den spektakeligen Habitus dieses Braunen auf mich wirken liess.
"Gummi" ist anders. "Natürliches" Gummi ohnehin. So weit war ich in meiner Grübelei gekommen bis die besonnene Stimme neben mir sagte:
"Also irgendwie können mich diese Söhne des Fidermark alle nicht so recht begeistern. Vielleicht solltest du froh sein um deine beiden Stuten? Vielleicht ist Fidermark wirklich in erster Linie ein Stutenmacher gewesen?"       
Es knisterte und funkte in meinem Kopf und im selben Moment war mir klar:
Sie das sagen zu hören und zu wissen: Sie hat recht! war eins.  

                          Fidertanz - Foto: Mense


   
Stutenmacher Fidermark

Natürlich assoziiere ich die Vererbungsleistung der Töchter des Fidermark zu allererst mit meinem eigenen Stuten, Fabrice und Fannie Mae. Ich weiss zu schätzen was ich an diesen beiden in ihrer Typausprägung so grundverschiedenen Vollschwestern habe. Gerade meine Fannie mit ihrer bodenständigen Tiefe und der daraus sich ableitenden stabilen Trag- und Schubkraft ist mittlerweile für mich zu einem "Weltmeyer"-Synonym geworden:
fuchsbunt, altmodern und vielleicht gerade deshalb überaus stark motorisert (dazu siehe hier). Nicht ohne Grund schätze ich daher einen Fidermark inzwischen von Jahr zu Jahr mehr wie einen Weltmeyer ein:
ein begehrter Stutenmacher, die Zukunft ist der Nachzucht seiner Töchter vorbehalten - ganz sicher.
Ich sehe die Nachzucht meiner beiden Fidermarktöchter, mittlerweile neun Fohlen in Anpaarung an verschiedenste Hengste, und so unterschiedlich sie auch sein mögen, ihre Grundqualität im Hinblick auf Abfussen, Durchschwung und Elastizität in der Breite ist kein Zufall. Dass mein bunter Vogel Fannie Mae mir dann ausgerechnet mit ihrem Erstling Sansibar dann auch gleich einen gekörten Sohn bescheren würde, darauf hatte ich selber allerdings im Traum nicht zu hoffen gewagt. Und doch wird es eine Weile dauern bis die Jahrbücher und Zuchtschauen dieser Welt diese noch sehr junge Generation von Enkeln des Fidermark anschaulich und nachvollziehbar in ihren Annalen verewigen. Und genau damit sind wir bei dem Problem angelangt:

Die Anerkennung der Töchter des Fidermark in ihrer Breite nachzuvollziehen ist wahrlich kein leichtes Geschäft wenn man nicht selber bereits seit Ende der neunziger Jahre regelmässig auf rheinischen und westfälischen Stutenschauen präsent war. Schautitel aus dieser Zeit sind kaum noch nachvollziehbar, selbiges gilt für Stutenleistungsprüfungen.
Wo sind sie also, die 307 eingetragenen Töchter des Fidermark, und was ist aus ihrer Nachzucht geworden?

Zu den prominentesten Töchtern des Fidermark gehört zweifelsohne die aus einem der ersten Jahrgänge stammende Florin (Mv Worldchamp und gezogen beim Florestan-Züchter Schulte Böcker), die seinerzeit noch unter Michael Farwick auf dem Bundeschampionat im Finale der Reitpferde platziert war bevor sie dann in die Zucht ging. Florins Zuchtwert überzeugte auf Anhieb durch drei gekörte Söhne in Serie:
In Anpaarung an Don Bedo brachte sie die beiden gekörten Vollbrüder Dannemann und Dancing Dynamite, von denen mir in jungen Jahren gerade der noch sehr unreife - weil schlacksig und hochgewachsen - Dannemann besonders imponierte. Zurecht anlässlich des prestigeträchtigen "Westfalen Wappen" auf dem Turnier der Sieger vor dem Münsterschen Schloß seinerzeit hoch erfolgreich, verschwand er kurz darauf von der Bühne, dem Vernehmen nach ins Ausland verkauft. Vollbruder Dancing Dynamite, dem ich anfangs trotz seines Titels "Körsieger" nicht so recht etwas abgewinnen konnte, hat sich mittlerweile als Reitpferdemacher durchaus etabliert und brilliert inzwischen unter Christoph Koschel im grossen Viereck. Angesichts des ersten gemeinsamen und hocherfolgreichen Auftritts dieser beiden im St.Georg und Intermediare in der Halle Münsterland diesen Winter habe ich dann auch gern ruckzuck alle meine früheren Vorbehalte diesem Hengst gegenüber über Bord geworfen - dieser überaus kompakte und dynamische Brummer macht seinem Namen mittlerweile alle Ehre und verkörpert für mich exakt das, was ich mir unter Fidermarkschem Erbe vorstelle:
Dynamik und Elastizität, gegeben aus einem abgedrehten kompakten Exterieur.
Ich bin begeistert! 
Der 2002 geborene Showmaker von Show Star wurde vom Fleck weg als teures Auktionsfohlen erfolgreich bis zum Bundeschampionat gemanagt, das er dann auch ausgezeichnet mit der Bronzemedaille der Reitpferdehengste verließ, bevor er kurz darauf ebenfalls ins Ausland verschwand. 
Erst danach wurde es stiller um die Nachzucht der Florin, wenn auch noch weitere Fohlen registriert sind.
Ich habe mich manches Mal gefragt, was diese Stute wohl zu vererben in der Lage wäre, wenn sie vielleicht etwas weniger stationstreu angepaart würde - es wäre mir die grösste Freude auch künftig wieder vielversprechende Nachkommen dieser Stute im Rampenlicht erleben zu können.

Zwei ganz exquisite Töchter des Fidermark finden sich unweit meiner eigenen Münsterlandpferde ganz in der Nähe in Steinfurt. Ein mir ganz besonders am
Herzen liegender Stutenstamm hannoverschen Ursprungs ist der dort im Hause Bockholt gepflegte Stamm der Bundessiegerstute von 1994, Bacarole von
Brentano II x Matcho. Unabhängig von der Qualität dieses Stammes an sich versteht sich meine Affinität zu einer Anpaarung von Brentano an Fidermark,
meine ganz persönlichen bevorzugten Blutlinien eben. Zweimal wurde Bacarole an Fidermark angepaart und man kann dem Hause Bockholt zu diesen Töchtern nur gratulieren:
1999 kam Fantastica zur Welt und trat alsbald in die Fußstapfen ihrer Mutter Bacarole:
3-jährig wurde Fantastica 2002 Siegerstute der westfälischen Eliteschau und kurz darauf wurde sie in Neustadt Dosse zur Bundes-Reservesiegerstute gekürt - für den Trab gab es damals eine glatte "10". Getreu dem Motto "die besten gehören in die Zucht" verkörpert Fantastica bis heute durch ihre Nachzucht das Erbe des Fidermark auf's allerfeinste. Bereits mit ihrer ersten Tochter Sunshine von Show Star gelang ihr ein Volltreffer, Sunshine wurde zur Staatsprämienstute gekürt, war siegreich in Reitpferde- und Dressurpferdeprügfungen und wurde 2008 Westfalenchampioness und Vizebundeschampioness.
Bis heute hat Fantastica sechs Fohlen gehabt, darunter in "Holiday" eine überaus gelungene Tochter des Hochadel, die sich noch heute im Besitz des Züchters befindet und bereits mit ihrer Stutenleistungsprüfung das Maß der Dinge definierte: 8,34 lautete die Note dieser Fidermarkenkelin, die derzeit tragend von Starnberg bereits die übernächste Reitpferdegeneration vervollkommnen heisst. Im Jahr 2009 hatte Fantastica ein Hengstfohlen von Sarkozy bei Fuß, das ob seiner überdurchschnittlichen Qualität sogleich in den Ankauf und die Aufzucht eines recht prominenten Hengsthalters fand. Aktuell erwartet Fantastica ein Fohlen von L'Espoir. Und während ich dies schreibe kann ich mir ein Schmunzeln doch nicht verkneifen:
zaubert mir bereits der Gedanke an eine Verbindung von Brentano an Fidermark ein Lächeln ins Gesicht, so ist es doch wahrlich verblüffend, dass unter hunderten und mehr zur Verfügung stehenden Hengsten der Gegenwart Familie Bockholt ausgerechnet Hochadel und Sarkozy als Partner für ihre Fantastica gewählt hat - Hengste, die ich beide in den letzten Jahren auch als Partner für meine Fabrice erwogen habe und deren Auswahl sich nun angesichts der qualitativen Passereffekte im Hause Bockholt an Fidermark an sich nun um so mehr aufdrängt...

                Holiday von Hochadel x Fidermark x Brentano II


Im Jahr 2004 wurde Bacarole dann zum zweiten Mal Mutter einer Tochter des Fidermark und es überrascht nicht, dass auch diese Tochter Fair Play dreijährig zur Elitestute gekürt wurde, ihre Stutenleistungsprüfung mit einer fulminanten 8,53 ablegte und siegreich auf der Westfalenwoche zum Bundeschampionat nominiert wurde um im September erfolgreich aus Warendorf in den heimatlichen Stall zurückzukehren. Bereits vierjährig hat Fair Play dann das Kunststück fertiggebracht drei Dressurpferdeprüfungen der Klasse L zu gewinnen und so überrascht es wenig, dass sie in 2009 fünfjährig erneut den Weg nach Warendorf zum Bundeschampionat fand. Zu diesem Zeitpunkt war sie bereits im sechsten Monat tragend von Lord Loxley und aktuell hat sie heute morgen ihr erstes Fohlen, ein Stutfohlen, zur Welt gebracht. Meine Glückwünsche gelten dem Haus Bockholt und dieser nächsten vielversprechenden Generation des Fidermark - besser kann man dieses züchterische Erbe eigentlich kaum pflegen!
                                                                                                            Fair Play von Fidermark x Brentano II
                                                                                

In Serien bestückte auch das Haus Baumann die westfälischen Eliteschauen mit Töchtern des Fidermark, meist war der Züchter sogar gleich mit zwei Töchtern des Fidermark auf der Eliteschau vertreten. Bereits im Jahr 2000 stellte Alfons Baumann mit der 1997 geborenen Felina aus dem zweiten Jahrgang von Fidermark seine erste "Fidermark-EliteStute". Inzwischen ist die sporterfolgreiche Felina unter Nathalie Habeth in Klasse S platziert.
Falbala und Felicia von Fidermark waren dann im Jahr 2004 Endringstuten auf der Eliteschau, Falbala wurde zur westfälischen Siegerstute gekürt.
2006 folgten Fidelia von Fidermark x Apart und Fantasie von Fidermark x Rosenkavalier (Vollschwester der Farewells), letztere stellte mit ihrem ersten Fohlen von Danone aktuell gleich einen gekörten Sohn, der nun unter dem Namen "Dankeschön" im Landgestüt wirkt.
2007 beherrschten dann die Fidermarktöchter Fabiana und Fergana die Eliteschau, die sich beide für den Endring qualifizierten und von denen Fergana schliesslich Siegerstute wurde. Zuvor hatten es beide Stuten auf ihrer Stutenleistungsprüfung geschafft, mit unterschiedlichen Einzelnoten die identische Gesamtnote von 8,54 zu erzielen, was zu einem noch nie dagewesenen Doppelsieg aller im Jahr 2007 in Westfalen geprüfter Warmblutstuten führte.
Fergana und Fabiana wurden später Titelpferde auf dem Auktionskatalog der westfälischen Herbstauktion 2007. Nachdem Fergana schon früh siegreich in Reitpferdeprüfungen war wurde im Sommer lediglich Fabiana zur Sichtung für das Bundeschampionat vorgestellt und machte kurz darauf als Bundeschampionatsfinalistin von sich reden. Künftig ist sie unter Martina Hannöver Sternberg im Sport unterwegs, mit der sie ein Jahr später ebenfalls für die 4-jährigen Reitpferde wieder zum Bundeschampionat nominiert wurde, verletzungsbedingt jedoch nicht starten konnte.
2007 sollte das letzte Jahr der Dominanz der Fidermarktöchter auf der Eliteschau werden, da der Hengst 2003 einging und 2004 folglich der letzte Jahrgang seiner direkten Nachkommen fiel - Zeit für die nächste Generation also, und die machte dann in 2009 von sich reden als o.g. Felicia von Fidermark ihr züchterisches Wirken erfolgreich unter Beweis stellte und mit ihrer ersten Tochter von Laudabilis gleich die nächste Elitestute lieferte... 
Anschaulicher als an den Stuten des Hauses Baumann kann man den fulminanten züchterischen Erfolg und Einfluss des Fidermark wohl kaum darstellen - und man darf mit Sicherheit davon ausgehen, dass diese Töchter des Fidermark aus der Baumannschen Zucht auch künftig noch mit ihrer Nachzucht von sich reden machen werden - es dauert eben eine Weile bis die Jahrbücher und Zuchtschauen dieser Welt diese noch sehr junge Generation von Enkeln des Fidermark anschaulich und nachvollziehbar in ihren Annalen verewigen.

Natürlich bin ich mir darüber im Klaren dass ich mit den oben genannten Stuten nur einen sehr unvollständigen und kleinen Kreis von Töchtern des Fidermarks abgreife, der noch dazu recht elitär ist. Aber die "Elitequalitäten" seiner Töchter herauszustellen ist Sinn und Zweck dieser meiner Darstellung:
Aus der im Vergleich zu anderen Königen der künstlichen Besamung recht überschaubaren Anzahl seiner Bedeckungen hat dieser Hengst bis heute tatsächlich gewaltiges auf die Beine gestellt - und die von mir fokussierte "zweite" Generation (die Kinder seiner Töchter, deren Mütter sich ja durch die Qualitäten ihrer Nachzucht erst beweisen müssen) betritt gerade erst die Bühne von Zucht und Sport. Vor diesem Hintergrund und der Tatsache, dass Stuten als Multiplikatoren grundsätzlich sehr viel schwerer greifbar und nachvollziehbar darstellbar sind als Hengste, sind die Erfolge seiner noch sehr jungen Enkel in jedem Falle bereits ein aussagekräftiger Beweis der wertvollen Multiplikatorenfunktion seiner Töchter. Und ich bin sicher, die nächsten Jahre werden meine These "Stutenmacher Fidermark" noch sehr deutlich untermauern. Und es sollte mir die grösste Freude sein, wenn meine eigenen beiden Fidermarktöchter das ihre zur Wahrung des wertvollen Erbes dieses grossartigen und viel zu früh abgetretenen Hengstes beitragen können.     

Münster, im Februar 2010

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