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                              Carlyle * 30.4.2018
                                                                                              Arbeitstitel: "Karlchen"    
                          
    Clinton Holst. *1993
  Cornet Obolensky BWP *1999    
    Rabanna van Costersveld BWP *1994  
Capistrano Westf. *2006      
    Pilot Westf. *1974  

 

Pippistrell Westf. *1984    
    Fürstin Westf. *1971  (Frühling)  
       
    Chequille Z *1999  
  Conen Hann. *2008    
    Lakonia Hann. * 1996  
Carly Hann. *2013      
Westf. Verbandsprämie   Acatenango xx *1982  
  Ionia xx  *2000    
    Ipenta xx *1986  
       
       

            

 
   
   
                                                

Endringfohlen Fohlenschau Lienen, 3. Platz Springfohlen 13.Mai 2018
23.6.2018 Fohlenschau Wettringen an dritter Stelle herausgestellt, Mutter Carly erhält die Westfälische Verbandsprämie

Verbleib: eigene Aufzucht, erklärter Nachfolger von Shannon und Silas

Sommer 2021: Anreiten in Münster
Mai 2022: erste Platzierung Springpferde A

Mutterstamm:

Carlyle ist das erste Fohlen der Halbblutstute Carly, sichtbar blutgeprägt durch den sportlichen Vollbluteinfluss seiner Grossmutter Ionia xx von Acatenango xx.
Carly wurde vierjährig angeritten und gedeckt und verbrachte ein halbes Jahr zur sportlichen Förderung auf dem Krüsterhof bei Johann Hinnemann.

Carly ist das sechste und letzte Fohlen aus Ionia xx und ist Halbschwester zu
Balahé von Brentano II - Zuchtstute Familie Karsten
Brooklyn von Brentano II - verstorben
Bogart von Benetton Dream - verkauft, Dressurpferdeprüfungen platziert, Kandaren-L gewonnen, M-Dressur 4.
Lorbaß von Lissaro - verkauft nach England, siegreich und platziert in Springen, Dressur >70% und Vielseitigkeit
Legolas von Lissaro - erste Reitpferdeprüfung Platz 3 (Trab 8,0), Dressurpferde-A gewonnen, Geländepferde A** 4., VA 3.


Eigenleistung Ionia xx:
2003 - 2005 17 Flachrennen, darunter 1 Sieg und 4 Plätze
10. Mai 2006 - Stutenschau Ankum; Eintragung in das Hannoversche Hauptstutbuch
Eintragungsnoten u.a. Elastizität und Schub im Trab 8, Sattellage 8, Rahmen 8, Vordergliedmassen 8.

Mutterstamm: der vollständige Mutterstamm in graphischer Darstellung (Stamm der Immertreu)
Gekörte Hengste:
Iwanowitsch xx *1978, Ldb Celle, von Illix xx/Orsini xx a.d. Istanbul
Intervall xx *1974, Rhld./Trak., von Perseus xx a.d. Inka (Zweig der Immenkönigin a.d. Immertreu)
Injektor xx *1984, Ldb Moritzburg/Trak., von Tiron xx a.d. Inka (Zweig der Immenkönigin a.d. Immertreu)
Fehrbellin *2012, Ldb Redefin, von Franzikus x Quaterback x Sunny Boy x Canaletto (a.d. Ismene)
Galopper:
Iquitos xx *2012 von Adlerflug xx a.d. Irika xx - Galopper des Jahres 2016, GAG 100 kg, LGS €
671.690 Gestüt Ammerland
Indomito xx *2006 von Areion xx a.d. Insola xx - Listensieger und Gruppe II, GAG 96kg, LGS
€ 229.761 Haras de Rosières
Sportpferde:
Indian Lady *1985, Trak.von Perlenglanz (4 erfolgr. Sportnachk.) a.d.Ikone (7 erfolgr.Sportnachk) a.d.Inkunabel, S-Spr.gew. LGS 1999 € 32.400
Camaaro *1995, Sachse von Calido a.d. Ismene xx, S-Spr. gew.
Castania *1997 von Lionheart a.d. Caren von Cantus a.d. Ipenta von Pentathlon, M-Spr.
Abano Son *2000, von Abanos a.d. Calida von Canaletto a.d. Ismene xx, CSI3* (Lars Berge NOR, Sissel Foldager SWE)
Cork Lane *2001 von Corum a.d. Castania von Lionheart a.d. Caren von Cantus a.d. Ipenta von Pentathlon, S-Spr. gew., Dt.Meisterschaften 2014 (Kathrin Müller) LGS 2014 € 33.000
Papillon 142 *2001, Westf. von Phantom a.d. Indian Lady (Züchter Georg Ahlmann), intl. S-Spr. gewonnen (Christian Ahlmann), LGS 2009 € 11.505 


Gedanken zur Hengstwahl: Warum Capistrano?

 
30.4.2018

Carly hat ihren lang erwarteten Erstling geboren!


                                            

Es war eine Punktlandung am Montagabend und als ich zum Stall gebraust kam, lag der Bub schon im Stroh. Die Nachgeburt flutschte zügig in einem Rutsch raus und die erschöpfte aber wohlbehaltene Carly stand ganz und gar eingenommen vor ihrem Sohn.

Die bunte Farbe gab uns dann ein kurzes Rätsel auf, gibt es doch nirgendwo in Carlys mütterlicher Verwandtschaft bis hin zum Ugrossvater Surumu überhaupt "bunt", und auch Conen nebst mütterlicher Verwandtschaft kommt schlicht daher.
Es mag also der Pilot sein, der sich da als Muttervater des Capistrano in diesem Urenkel durchgesetzt hat, dafür spräche auch die linienbetonte sportliche Aufmachung des jungen Burschen, der gänzlich anders daherkommt als seine Mutter im selben zarten Fohlenalter.
Wenn es so ist, soll mir das sehr recht sein.

                                                                           
                                                                                                                                                    Urgrossvater Pilot

Ein Fohlen mit deutlich mehr Linien als Muttern seinerzeit und recht gross für die kleine Stute, insbesondere als Erstling.
Darüberhinaus ist Karlchen ausgestattet mit einer grossen Portion Charme, und der verfängt bei jedem Betrachter sofort.
Ja, der kleine Kerl gefiel Stutenfee Ingrid und mir auf Anhieb richtig gut!
... und um das zweifelhafte Klischee zu bemühen:
Karlchen ist langbeinig.
S e h r langbeinig.
Weshalb das Aufstehen volle drei Stunden dauerte und die Milchbar finden noch länger.
Kaum stand er mal wackelig auf den langen Beinen an Mutter's Flanke, klappte das tiefe Runterbücken Richtung Euter gar nicht und er fiel wieder um.
So ist das, wenn eine kleine Stute ein hochbeiniges Fohlen bekommt.
Carly, die gute Seele, liess sich ergeben abmelken und der Bub bekam die erste Milch aus der Flasche im Liegen.
Das schien ihm sehr zu gefallen, an aufstehen dachte er nun nämlich gar nicht mehr.
Die Sache mit dem gesunden Phlegma (das haben wir gleich gestern abend realisiert) scheint jedenfalls hingehauen zu haben...
Sehr gesund.

                                               

Carly leckte hingebungsvoll auf und ab an ihrem Foheln herum und verwies ein oft bedientes Klischee einmal mehr ins Reich der Phanatsie:
Stuten lecken ihre Fohlen nicht trocken. Sie lecken sie -ganz im Gegenteil- erst richtig nass.
Karlchen jedenfalls wechselte sein längst trockenes Fellchen mehrfach wieder in "gut feucht" und genoss das ganz offensichtlich sehr.
Und wenn Carly ihn nicht gerade nass leckte knabberte sie hingebungsvoll an seinen Beinchen und Hufen.
Ab und an gab es einen zarten Biss dazu und die Order war eindeutig:
"Willst du nicht endlich aufstehen?" 

Und das sind sie wieder, diese Momente, die mich einfach ticken machen.

Karlchen lag noch hilflos im Stroh und die kleine rote Zunge schaute etwas heraus und er saugte instinktiv an allem, was sich bot. Da war er bei seiner jungen Mutter mit ihrem ausgeprägten Mutterinstinkt genau richtig! Carly beschnupperte ihn von oben herab und leckte ihm übers Mäulchen. Er saugte an ihrer Zunge, sie erwiderte sein Saugen und Lecken hingebungsvoll. Eine ganze Weile ging das so, das liegend Fohlen im Stroh reckte sein Köpfchen zur Mutter und die beiden saugten aneinander und vergassen alles andere. Ein paar Mal krempelte Carly ihm die kleine Unterlippe dabei auf links und Karlchen gab ein Bild für die Götter ab mit seiner umgestülpten Unterlippe, die er verwirrt versuchte wieder umzukrempeln, nur um gleich weiter an Mutters Zunge zu saugen.

Hinreissend.
Momente, die unter die Haut gehen.
Die schönsten Momente mit dem neugeborenen Fohlen.
Genau das, was mich ticken macht.
Die schönste Zeit des Jahres eben.
Der junge Fohlenfrühling. 

                                                

Ein weiteres Mal bekam Karlchen dann zur Nacht noch die Flasche, schon um Carly den Druck zu nehmen (die einfach hinreissend hingebungsvoll ist und sich und dem Fohlen dankbar in allen Belangen helfen liess) und als ich heute morgen zum Stall kam tralupfte der kleine Carl schon munter um Muttern herum durchs Stroh und dockte zielsicher nach jeder zweiten Runde an.
Das hatte er dann doch offensichtlich über Nacht nachhaltig gelernt.
Mitunter muss man der Natur dann einfach mal ihren Lauf lassen.

                                                 

Heute Nachmittag ging es dann das erste Mal nach draussen bis zur Heuwiese und wieder bestach das Phlegma:
der Bengel lag im stall und da lag er.
Muttern kam sogar ohne Fohlen brav mit mir aus der Box (ich habe es noch nie zuvor erlebt, dass eine Stute so kurz nach dem Abfohlen ohne Fohlen bereit ist, die Box überhaupt zu verlassen!) und der Bub lugte aus dem Stroh heraus hinterher und blieb liegen.
Schubsen, Klaps auf den kleinen Fohlenpopo - nichts.
Ich musste mich tatsächlich mit Carly ein winziges Stück ausser Sichtweite begeben bis das Phlegma der Unruhe wich. Gemässigter Unruhe.
Immerhin so weit, dass er die Beinchen mal auseinandersortierte und sich im Ansatz erhob.
Dann gabs einen Klaps auf den kleinen Hintern und die Schubhilfe Richtung Tür, wo Carly schon besorgt wartete.

Noch etwas verwirrt ging es mit Amelies Hilfe vom Hof runter Richtung Heuwiese, dann stand das Karlchen sichtbar beeindruckt in der grossen weiten Welt.
Bemüht sortierte er alsbald tralupfend seine langen Beinchen um Muttern herum und ich bin mit der sehr besorgten Carly immer hinterher marschiert, als er die ersten wackeligen Galoppsprünge jenseits aller begrenzenden Boxenmasse unternahm.
Nach zehn Minuten (es mögen auch fünfzehn gewesen sein - in so einem jungen Leben macht das noch viel aus...) tat es einen Plums und das Karlchen lag im Gras. Eine geradezu fliessende Bewegung aus dem Galopp heraus geradewegs ins dichte Gras.
Und da lag er dann.
Es wiederholte sich das selbe Schauspiel wie gestern Abend nach der Flasche und auch zuvor im Stall:
an Aufstehen dachte er gar nicht.
Da konnte ich schubsen und schieben und rucken, er liess sich gar nicht aus der Ruhe bringen und blieb liegen.
Kullerte immerhin mal auf die andere Seite. Ansonsten aus die Maus.
Ach herrjeh.
Da stand ich nun mit meiner Fohlenstute und wusste keinen Rat.
Ich schickte ein kleines Stossgebet zum Himmel und hoffte, dass Carly sich überreden liess, ohne Fohlen mit mir Richtung Stall zu ziehen.
Sie liess.
Ungern, aber brav.
Ein paar Meter Distanz und siehe da, der kleine Karl erhob sich.
Gemässigt, aber immerhin. Von Hektik keine Spur.
Und troddelte dann auch zügig (nunja...) hinterher.
Bis auf den Hof blieb er auch tapfer dran und ich war mir sicher, wir schaffen auch die Stalltür...
Weit gefehlt.
Auf dem Hof ging er am geparkten Anhänger verloren und Carly und ich mussten wieder hinterher.
Aber dann!
In einem Zug bis in die Box, saufen, plums und schlafen.

Herrlich!

                                                                    

       
                                                       


                                                       

Gegen Abend in der Sonnne unternahmen wir mit Stutenfee Ingrid den zweiten Versuch bis zur Heuwiese und ja, der kleine Karl gefällt uns auch auf dem Pflaster richtig gut!
Stutenfee Ingrid allerdings ist sehr viel konsequenter als ich und hat den Ausgang streng begrenzt auf 10 Minuten, sonst wird es zu kalt in dem Wind.
Das wird der Grund gewesen sein, weshalb uns ein zweiter plumsundhierbleibeichliegen erspart gebleiben ist.
Diesmal schien er auch zu begreifen, wo es auf dem Rückweg hinging und fädelte sich auf Anhieb (fast) ohne Hilfe bis durch die Stalltür ein. Immerhin ging er uns auf dem Hof nicht mehr verloren...
Schlaues Pferdchen.
Oder sollte ich sagen: bedachtsam?

Im Stall das selbe wie zuvor:
In einem Zug bis in die Box, saufen, plums und schlafen.

.... und wer bis hierher durchgehalten und mitgelesen hat wird feststellen:
ich kann mich gar nicht bremsen und bin schwerst verliebt.
einen Schönheitsfehler hat er allerdings:
Es ist und bleibt ein Hengstfohlen.
Ich hatte mir aus dieser Anpaarung so sehr ein solches Stutfohlen gewünscht.

                                                     

4. Mai 2018

Philipp hat seinen Fohlenbesuch angekündigt und ich habe mich riesig darüber gefreut!
Aus seiner Zeit als Azubi im Stall Klimke verbindet Philipp einiges mit meinen Stuten, hat er doch Darnell und Carly angeritten und auch Deauvillchen ausgebildet.
Mit Karlchens Geburt war es nun endlich Zeit für Philips Fohlenbesuch und Karlchen wickelte den verzauberten Buschreiter vom Fleck weg um den Finger. Ich kann nicht sagen, wer von uns mehr Vergnügen an dem herrlichen sonnigen Vormittag im Wald und auf der Heuwiese hatte. Karlchen jedenfalls kam voll auf seine Kosten und tobte ausgiebig um die Bäume und uns ging das Herz auf, ihm dabei zuzusehen. Wieder einmal.

Bei dieser Gelegenheit entstanden die ersten Fotos im Alter von vier Tagen.

                                                     

Das gesunde Phlegma hat Karlchen sich bis heute beibehalten.
Jedes Mal wenn ich zum Stall komme (zwei Mal täglich zum Waldspaziergang) liegt das Karlchen in der Box.
Und liegt.
Und bleibt auch liegen.
Carly grummelt und wiehert mir zu und weiss schon, was kommt und der Zwerg bleibt liegen.
Nicht selten, dass er mitten vor der Tür liegt und Carly muss vorsichtig über ihn drüber steigen um rauszukommen (was sie auch brav und mit sehr viel Umsicht tut) und selbst der kurze Gang die Stallgasse rauf ausser Sichtweite des Fohlens ist inzwischen Routine. Ich bin jedes Mal sehr gerührt mit welchem Vertrauen die brave Carly mir folgt...
Wir sind dabei ganz leise und lauschen vorsichtig nach hinten. Meist kann man dann kurz vor erreichen der Hoftür ein zartes Rascheln aus der Box vernehmen.
Karlchen, der realisiert dass er allein ist und überlegt, dass es vielleicht doch sinnvoll ist mal aufzustehen und hinterher zu kommen ...
Um die Ecke denken und laufen hat er auch schnell gelernt, immerhin.
Wenn Muttern ausser Sicht ist, rennt er nicht erst konfus vor die Stallwand oder Boxentür.
"Analytisch" strukturiert ist er wohl. Wenn auch mit Bedacht.
Sehr bedacht.

Anekdotisch gestern mittag der Rückweg aus dem Wald zurück über die Heuwiese.
Die Wiese ist zur einen Seite von einer steilen Böschung begrenzt, darunter liegt ein Graben der um diese Zeit auch fliessend Wasser führt.
Ich lege Wert darauf, dass die Fohlen diese Grabenböschung früh erkennen und begreifen lernen, damit sie beim toben über die Wiese nicht mal versehentlich im Flugrausch dort runterpurzeln.
Karlchen kommt angeflogen und bremst skeptisch vor der Böschung ab (sagte ich schon, dass er bedachtsam ist?), beäugt die Böschung und lugt vorsichtig runter Richtung Graben, nimmt Haltung an (ich denk, was kommt jetzt?) reckt Steert und Hals und stellt sich hinten breit - und strullt in echter Herrenmanier gepflegt in die Böschung.
Stil hat er.

                                                  


6. Mai 2018

Besuch aus Kanada!

                                                   

Schon das zweite Mal in seinem jungen Leben bekommt Karlchen Besuch und nimmt auch die jungen Damen ruck-zuck für sich ein. Alexandra und Tiffany waren für eine Woche aus Kanada angereist und der sonnige Vormittag mit den Fohlen im Wald avancierte zum gefühlten Höhepunkt dieser Reise. Karlchen hatte grossen Anteil daran und auch Maren war erstmals zum Fohlenbesuch mit dabei und liess sich gern von dem Buben verzaubern.
Maren hatte ich Carly anvertraut um selber die Hände frei zu haben für die Kamera. Fotos wie diese sind ohne fremde Hilfe einfach nicht möglich und Maren machte das einfach grossartig mit Carly! Liebe Maren, tausend Dank!

                                                   
 

Zwei Tage mehr machen in diesem Alter einen grossen Unterschied!
Mit sehr viel mehr Kraft und Selbstbewusstsein springt Karlchen mittlerweile durch den Wald, schön wie ein englischer Stich.

                                                   


                                                    


11.5.2018

Notgedrungen mussten wir das Quäntchen Glück bereits am dritten Tag weidegängig machen. Carly und Karlchen haben also seither Gesellschaft. Die grösste Freude an der neuen Gesellschaft hatte Karlchen. In seiner aufgeschlossenen Art bummelte er sogleich unbekümmert und neugierig auf die Neuankömmlinge zu und war völlig überrascht, als Bunny wie eine Furie auf ihn zu stob. Karlchen war zu diesem Zeitpunkt zehn Tage alt und hatte in seinem jungen Leben noch keine Agressivität kennengelernt. Für Karlchen war die Welt ein herrlicher Spielplatz und alle haben ihn lieb. Der kleine Kerl war völlig von der Rolle und wusste nicht wie ihm geschah. Mir rutschte kurzzeitig das Herz in die Hose und ich war froh, als Carly ihn zügig einholte und sich schützend zwischen ihn und Bunny schob. Bunny und Carly steckten ihre Claims rigoros ab und hielten Distanz. Nur Karlchen verstand die Welt nicht mehr. Nachdem er den ersten Schrecken abgeschüttelt hatte schob er erneut vorsichtig die Nase um Carly herum und machte sich ein weiteres Mal auf den Weg zu dem neuen Spielgefährten. Ingrid und ich waren beide etwas fassungslos angesichts dieser unglaublichen Unbekümmertheit des kleinen Kerlchens. Bunny und Carly sortierten sich ein zweites Mal krawallig auseinander, danach war Ruhe. Allerdings fiel es mir schwer, an den Frieden zu glauben. Einmal mehr war es Stutenfee Ingrid, die mich mit ihrem Pragmatismus überzeugte:
"Besser der lernt das jetzt zu viert, dass er anderen Stuten aus dem Weg zu gehen hat, als dass er es später in der grossen Herde lernen muss. Was glaubst du wie die anderen Stuten mit ihm umspringen werden, wenn er so dahergetroddelt kommt?"
Wo sie recht hat, hat sie einfach recht.
Und es sollte in der Tat der letzte grosse Krawall gewesen sein. Fortan hielt Karlchen sich zurück und beobachtete seine neue künftige Freundin aus der sicheren Ferne.    


13.5.2018

Karlchen 3. in Lienen!

                                                   

                                                                                          Fabelhaftes Trio! Karlchen und Carly ernten mehrfach Applaus! Danke, Holger!


Fohlenschau Lienen - wofür man Freunde hat!
Von bemerkenswerten Ereignissen, kleinen Gesten und der grossen Freude an einem bunten Stück Papier ...


Als mich zu Beginn der Woche die gewichtige Bitte ereilte, ich möge doch mit meinem Springfohlen zur Fohlenschau nach Lienen fahren, gab es wenig, was ich dem entgegenzusetzen hatte. Amelie rief spontan: "Ich fahr mit!", und selbst Stutenfee Ingrid meinte: "Da kannst du doch ruhig noch mit Carly hinfahren, die ist erst vor zwei Tagen besamt worden, da hat sich noch kein Follikel eingenistet, dem Schaustress schaden könnte." Als dann auch Freund Tönne sofort zusagte, er käme für uns nach Lienen und würde selbstverständlich mit all seinen fohlenflüsterischen Talenten dem kleinen Karlchen beistehen, war mir auch das letzte Argument genommen. Über mangelnde Hilfe, ohne die so eine Fohlenschau einfach nicht geht, konnte ich mich wahrlich nicht beklagen. Wie schön, wenn man solche Freunde hat!

Das Projekt Fohlenschau konnte also beginnen und Stutenfee Ingrid und Stutenvater Gregor hatten ihren Spass daran, mit welchem Eifer Amelie und ich uns bereits am Abend zuvor daran machten, Carly schaugerecht vorzubereiten. Dabei wollte ich Amelie mit dem feuchten Handtuch in der Hand eigentlich nur den feinen Unterschied zwischen "Carly muss nicht sauber sein," und "sie darf nur nicht dreckig aussehen!" anschaulich erklären. Am Ende wurde daraus ein heiterer Samstagabend, an dem wir auf der Stallgasse um Carly herumwuselten, die uns einmal mehr mit ihrer unglaublichen Ruhe und Gelassenheit tief beeindruckte. Die grösste Freude an dem munteren Treiben hatte Karlchen, der dabei neugierig auf der Stallgasse herumlief und wirklich alles begutachtete und anknabberte, was wir aus dem Turnierschrank zauberten.
"Man könnte meinen du wolltest Carly zum Grand Prix-Reiten rausputzen!", unkte Stutenfe Ingrid angesichts unserer Vorbereitung und auch Stutenvater Gregor war amüsiert von der wendyhaften Strebsamkeit, mit der ich mich ans Werk machte. "Soll ich schonmal die Hufe fetten?", fragte Amelie hilfreich während ich noch dabei war, die Hufe sauber zu schrubben. Gleichwohl, ich hatte nicht mit Amelies Eifer gerechnet: Sie hatte das Fett ruckzuck auf ihrer Seite verteilt und so kam es, dass Carly links zwei saubere und rechts zwei gefettete Hufe hatte...
Herrlich!


                                                    



                                                    
                               Pferdeflüsterer Tönne - es gibt niemanden, der besser mit Fohlen umzugehen versteht. Und ja, ich schätze mich sehr glücklich solche Freunde zu haben!
 
Ich hatte eine Menge Zeit damit verbracht zu Hause, im Keller, im Stall und selbst im Kia (man weiss nie, was man ganz unten im Auto noch alles so findet!) nach den rundgenähten Trensen von Bunny und Fabrice zu suchen. Gefunden habe ich sie schliesslich direkt auf Kopfhöhe an der Küchentür, wo ich täglich daran vorbeilaufe, sie aber ganz offensichtlich nicht sehe. Altersdemenz?
Ganz offensichtlich war ich schon sehr lange auf keiner Schauveranstaltung mehr mit meinen Fohlenstuten gewesen ...
Doch als ich dann stolz mit meinen rundgenähten Trensen in den Stall kam rief Amelie spontan:
"Das ist doch nicht nötig! Wir nehmen meine gute Turniertrense!", sprachs und kam mit einer strahlend funkelnden Lacktrense um die Ecke gebraust, deren Glanz mich gute Teile meines Augenlichtes gekostet hätte, hätte ich nicht ohnehin schon eine Sonnenbrille getragen. An Strasssteine war ich mittlerweile ja gewöhnt, Glanzlack im Zusammenhang mit "Pferd" allerdings war mir neu. Und wie das glänzte! Und sie passte auf Anhieb, wir mussten nicht einmal die Schnallen verstellen. Ich war beeindruckt.
                                                                                                                                                                                                                                                   Carly glänzt und funkelt ganz ohne Fotoshop!
Und ich war sofort bereit Amelie zu verzeihen, die meine altehrwürdigen rundgenähten Schautrensen ganz offensichtlich als das ansah, was sie sind:
outdated. ...    


                                                    

Schwer beeindruckt hat Amelie mich dann als ich sie fragte, ob sie einnähen könne?
"Das kann ich! Das mach ich! Ich mach das mit Haarnadeln, das geht schneller. Wieviele Zöpfe willst du? Viele kleine oder nur ein paar grosse?"
Donnerwetter!
Zugegeben, die Frage war auch nicht ganz selbstlos und durchaus ein kleines bisschen suggestiv gewesen ...

Und so kam es also, dass wir uns am Sonntagmorgen (halb neun nach m e i n e r Zeit, wohlwissend, dass Amelies Zeit durchaus auch mal ein halbe Stnde hinterher sein kann...) erneut mit reichlich Utensilien um Carly herum auf der Stallgasse wiederfanden und uns das Pferdchen wie folgt aufteilten:
Vorn und hinten ich, in der Mitte Amelie.
Und in der Tat hatte Amelie die fabelhaften Zöpfe fixer hergerichtet, als ich Carly's Schopf und Schweifrübe eingeflochten hatte. Ich staunte nicht schlecht!
Amelie aber auch. Schweifrübe einflechten fand sie toll. "Kann ich aber nicht", rümpft sie das Näschen.
"Muss man auch nicht", sagte Stutenfee Ingrid. "Das macht man doch heute nicht mehr."
Outdated.
Oha!
Da waren Amelie und ich allerdings entschieden anderer Meinung und fanden, dass Carly hochnobel mit ihrem eingeflochtenen Schweifchen aussah.
Abgesehen davon war ich ziemlich stolz, dass Amelie auch noch was von mir lernen konnte in Sachen Schauputz.
   

                                                    

Mit der bewährten Hilfe von Stutenfee Ingrid und Gregor waren Carly und Karlchen zügig verladen und los gings.
Amelie kannte den Weg, "nur zwei Mal links und zwei Mal rechts!", und ich hoffte inständig, sie wusste auch, wie wir die dreissig Kilometer bis zum ersten der zwei Links finden würden.
Sie wusste.
Viel zu früh kamen wir in Lienen an und als dann alsbald auch Tönne auftauchte war ich endgültig beruhigt. Nun konnte wirklich nichts mehr schief gehen!
Allerdings hatte ich die Rechnung ohne das Team aus Wettringen gemacht. "Unser Team wird zahlreich vor Ort sein und jedem unserer Züchter helfen, da wird niemand allein gelassen!", so hatte der Chef getönt, als ich vorsichtig gefragt hatte, ob denn wohl auch jemand zum Vorführen vor Ort sei. 
Und so kam es, dass wir uns unversehens in einem summenden Bienenschwarm von Freunden und Helfern der Hengststation Beckmann wiederfanden und ich war ganz und gar gerührt. Zeitweise befanden Tönne, Amelie und Eva sich gar zu dritt auf dem Anhänger zum Auftrensen und Abladen und ich war froh, dass ich dem Rat meiner Stutenfee gefolgt war und die Trennwand rausgenommen hatte. So war doch zumindest genügend Platz für reichlich Helfer auf dem Anhänger bei den Rössern ... 
Der brave Paul Tepe übernahm versiert die Anhängerklappe, Eva und Mareike waren stets zur Stelle. Es waren all diese kleinen Gesten, die ich dankbar warhnahm und die diese Schau zu etwas ganz Besonderem machten.
Still und leise machte ich mich mit der Kamera in der Hand aus dem Staub. Carly und Karlchen wusste ich bei Tönne und Amelie in besten Händen, Team Beckmann sorgte für die Ablauflogistik unter seinen diversen schutzbefohlenen Züchtern und Holger Rohlmann bot an, Carly vorzuführen. Was für ein grossartiger und herzlicher Service! Mareike, Eva, Paul und Holger - von Amelie und Tönne gar nicht zu reden!
 

                                                    

Natürlich fand Karlchen alsbald seine Fans, und reichlich davon. Familie mit Kind und die höfliche Frage ob man das Fohlen streicheln und auch mal fotografieren dürfe? Tönne unterrichtete das Kind gewissenhaft im Fohlenstreicheln und machte die Eltern glücklich. Das Kind sowieso. Ich sah von weitem zu und strahlte still in mich rein. Was für eine herrliche Party! 
Mehrfach wurde ich angesprochen auf dieses schöne Fohlen, meine stereotype Antwort lautete:
"Wir sind heute sicher nicht die Besten, aber ganz sicher die Schönsten!"  
Und ich konnte mich selber nicht sattsehen an dem hinreissenden Karlchen, der sich geradezu mustergültig in Tönne's Obhut benahm.


                                                    


Als Holger dann mit Carly und Karlchen in die Bahn kam hockte ich still mit meiner Kamera in einer Ecke und liess die Dinge auf mich zu kommen.
Ich verfolgte das Geschehen durchs Objektiv und war ganz und gar verblüfft, als Karlchen geradezu mustergültig und taktvoll neben Carly daher trabte!
Und wie er trabte!!! Holger machte einen fantastischen Job als Stutenführer und hatte das perfekte Tempo und fand ganz nebenbei auch die Idealposition für Carly, die sich ebenso zu einem Hingucker an seiner Hand entwickelte. Ich war selber ganz und gar beeindruckt von meinem hinreissenden Duo!
Hinter mir wurden Stimmen laut, "was für ein schönes Fohlen!", "ja, aber guck dir mal die Stute an, die gefällt mir ja noch besser!", "tolles Fohlen!", "tolle Stute!".
Mit allem hatte ich gerechnet aber nicht damit.
 

                                                    

Als Holger mit den beiden vom Platz kam gab es spontan begeisterten Applaus und es war deutlich mehr als nur Höflichkeitsapplaus.
Das hatte ich zuvor noch nicht gehört und mir standen die Tränen in den Augen. Ich fiel dem braven Holger um den Hals und war überglücklich!
Geradezu selbstzufrieden strahlte Tönne neben mir und sagte: "Ich habs dir doch gesagt, das habe ich doch gewusst!", und nahm das kleine Karlchen sogleich wieder in seine Obhut. Amelie strahlte derweil wieder mit der mustergültig gelassenen Carly um die Wette und ich stand völlig neben mir.
So schön!
"Pass mal auf", sagte Tönne, "der Kleine gehört in den Endring und da kommt er auch hin!"
Endring?
So weit hatte ich noch gar nicht gedacht.  

                                                     
                                                                                               überragendes Siegerfohlen von Nubalou aus beeindruckender Mutter von Calido


Tatsächlich hatte ich nicht einmal damit gerechnet, dass hinreichend Springfohlen für einen separaten Springring vor Ort sein würden.
Gut 15 Fohlen hatte die Schau in den letzten Jahren aufgeboten, so weit hatte ich immerhin im Vorfeld recherchiert.
Doch ich hatte die Rechnung erneut ohne das Team Beckmann gemacht. Dort war im Vorfeld angefragt worden, ob man nicht ein paar Züchter zwecks Schaubesuch motivieren könne? Mathieu Beckmann hat seine Züchter im Griff. Knapp dreissig Fohlen traten an, mehr als die Hälfte davon rekrutierte sich aus dem Dunstkreis der Station in Wettringen und ich war schwer beeindruckt, als ich die Starterliste sah. Allein zehn Springfohlen darunter, das war mehr als die meisten Schauen heutzutage aufbieten.

                                                     
                                                                   Karlchen hat im Endring interessiert die flatternde Schleife im Blick - Recht hat er!
                                                     

Und Tönne sollte recht behalten, Karlchen wurde für den Endring nominiert und als eines der besten Springfohlen an dritter Stelle herausgestellt. Der gefällige Kommentar des niederländischen Richters ging mir runter wie Butter: "Eine ganz gelungenes junges Fohlen aus einer Halbblutstute, mit Takt und Ausdruck und ganz locker. Diesem sehr jungen Fohlen fehlte heute noch so ein bisschen die Kraft. Ein paar Tage älter, und dieses Fohlen hätte sicher weiter vorn gestanden! Ganz interessant gezogen aus einer schönen Halbblutstute, vielleicht durch den Vollbluteinfluss nicht die Grösste, aber eine tolle Blutstute!"      

Und ich hatte mir Gedanken gemacht, meine Carly ginge als Halbblutstute in der kritischen Öffentlichkeit unter ...
Sie war im Gegenteil ein Bild von einem Pferd!

Mehrfach wurde ich dann auf diese "herrliche Halbblutstute!" angesprochen und tatsächlich auch gefragt, ob ich Mutter und Kind oder einen von beiden denn zu verkaufen gedenke.
Tönne antwortete spontan:
"Wenn Sabine diese Stute verkauft kriegt sie aber richtig Ärger mit mir!"

Schön, wenn man solche Freunde hat!


                                                      


Und dann kam Heinz Farwick, Pferdemann durch und durch. Ich schätze ihn als einen versierten und umsichtigen Pferdekenner seit meiner Zeit mit Fabrice bei Michael, als Michael noch Fidermark ritt. Heinz gratulierte mir sehr herzlich und dann schimpfte er wie ein Rohrspatz: "... und ich sage dir, dein Fohlen hätte ganz nach vorn gehört! Und das hab nicht nur ich so gesehen! Da sind einige die sofort gesagt haben, das muss das Siegerfohlen werden! Wo gibt es denn sowas! So ein tolles Fohlen, noch dazu aus einer Halbblutstute, und guck dir bloss mal deine Stute an! Sabine, mit so einer schönen Halbblutstute kannst du einfach alles anpaaren und züchten was du willst!"

Ich war ganz und gar gerührt und habe mich riesig über Heinz' geradezu emotionalen Ausbruch gefreut!
Eine solche Wertschätzung aus diesem berufenen Mund bedeutet mir sehr, sehr viel. Meine Carly werde ich von heute an sicherlich mit anderen Augen sehen.
Oder, wie Mathieu Beckmann später nachdrücklich formulierte:
"Du musst einfach mal öfter mit deinen Fohlen zur Schau fahren, dann weisst du auch was du an deinen Stuten hast!"

Und das musste jetzt einfach alles mal sacken.
Und wieder sitze ich hier und schreibe mir die Eindrücke von der Seele und lebe dadurch den emotionsreichen Tag ein weiteres Mal.
Eindrücke, die man mit Geld nicht kaufen kann. Unbezahlbar.
Dazu Amelies und Tönnes selbstlose Hilfe, Holgers beherzte Vorstellung, all die hilfreichen Gesten aller Beteiligten. Es sind eben immer die kleinen Dinge im Leben.

Ein nobles Lederhalfter haben wir bekommen und die weisse Schleife dazu. Und ich weiss jetzt schon, dass diese Schleife wohl den ganzen Sommer im Kia auf dem Amaturenbrett mitfahren wird und ich werde mit jeder Fahrt meine grosse stille Freude an dem kleinen bunten Stück Papier haben. 


14.5.2018

Wer liest sich nicht gern in der Zeitung?
Artikel der Westfälischen Nachrichten zum Züchterfrühschoppen in Lienen:




21.5.2018

"Karlchen im Glück!"

Zahlreicher Fohlenbesuch und endlich die Gelegenheit, auch das Quäntchen Glück zum Foal Eventing in die Geheimnisse des Waldes einzuführen - und natürlich war auch Karlchen mit von der Partie, der sogleich zur Höchstform auflief!

Dank Heike und den Kindern gibt es hierzu sogar ein kurzes Video - absolut sehenswert! -  Karlchen im Busch! Video

 

                                                 



                                                 



23.6.2018

Das erste Westfalen-Fohlen!

Anlässlich der grossen Stuten- und Fohlenschau in Wettringen wird Karlchen erneut an dritter Stelle in seinem Ring herausgestellt und Carly erhält die Verbandsprämie des westfälischen Verbandes! Dabei hatte ich den hannoverschen Hofbrenntermin bereits für alle fünf Fohlen dieses Jahrgangs arrangiert und Karlchen gedanklich als Hannoveraner betrachtet. Carly sowieso. Mit ihrem H auf dem Schenkel wäre die Eintragung ins hannoversche Hauptstutbuch nur eine Formalität. Doch manchmal kommt es eben anders als man denkt.

Nach dem schönen Erfolg meines "springbetonten" Duos in Lienen hatte ich mich gern bereit erklärt, Carly und Karlchen auch in Wettringen auf der Fohlenschau zu zeigen w e n n, ja, wenn Carly zu dem Zeitpunkt nicht bereits erneut tragend sei von Capistrano. Die traurige Botschaft von der Nichtträchtigkeit bereits in zweiter Runde von Capistrano erreichte mich zu Wochenbeginn. Daran hatte ich arg zu knabbern, denn nur zu gern hätte ich ein Stutfohlen von Capistrano ganz in dem Format wie Karlchen eines ist ...

                                                                                               

Nun gab es aber keinen Grund mehr, nicht mit meinem Duo nach Wettringen zu fahren. Wir reisten bereits mittags an und bekamen eine komfortable Gastbox mit reichlich Heu zur Verfügung gestellt. Ein Service, den ich nur mit grossem Dank quittieren kann. Bequemer ging es wirklich nicht für meine beiden vierbeinigen Protagonisten. Karlchen lag zügig im sauberen Stroh und schlief. Und da lag er auch als Freund Heinz drei Stunden später zum Schaubeginn erschien. Heinz hatte sich in Abwesenheit von Tönne und Amelie als tatkräftiger Helfer zur Verfügung gestellt. Weil Amelie selber zum Turnier unterwegs war, war auch die funkelnde Lacktrense diesmal nicht mit dabei. Weshalb Carly heute etwas weniger strahlte und funkelte als in Lienen. Die dicken runden Zöpfe hatte Amelie aber heute morgen noch vor ihrer Abreise ans Pferd gezaubert und ich habe mich sehr darüber gefreut. Heinz hatte Carly schon aufgetrenst und blickte etwas irritiert auf das schlafende Karlchen, der sich - ganz seinem Phlegma aus ersten Tagen treu - einfach durch nichts aus der Ruhe bringen liess. Auch nicht durch freundliche Klopfer auf den kleinen Hintern. Karlchen schlief und steckte ob der Popoklopfer den Kopf noch etwas tiefer ins Stroh.
Ich musste herzlich lachen. Dieses Fohlen ist einfach der Knaller!

Es blieb mir selber nichts anderes übrig als mich neben das Fohlen ins Stroh zu setzen um überhaupt ein Halfter auf das Köpfchen zu ziehen. Nachdem Karlchen das Köpfchen mal aus dem Stroh reckte. Das Aufhalftern nahm er gelassen hin und blieb liegen. Erst als wir Anstalten machten, mit Carly die Box zu verlassen, war Karlchen auf den Beinen. Gemässigt engagiert nur, aber immerhin. Einmal mehr machte dieses Fohlen mich mit seinem unglaublichen Interieur breit Grinsen. Die helle Freude.

                                                

Am Schauplatz angekommen trafen wir auf Holger Rohlmann dem ich mit Kusshand Carlys Zügel übergab. Never change a winning Team! Holger hatte einen fantastischen Job in Lienen gemacht und ich war sehr erleichtert, ihn auch hier wieder als Vorführer in Anspruch nehmen zu dürfen. Heinz hatte derweil das Karlchen gut in Griff und ich tat, was ich auch in Lienen getan hatte:
Ich machte mich leise mit meiner Kamera aus dem Staub ...
Die Herren kamen bestens ohne mich klar!

Durchs Kameraauge bekam ich nur wenig von der Vorstellung mit, vom Drumherum sowieso nicht. Immerhin, Karlchen trabte! Ich hatte mit ausgelassenem Toben und Bocken gerechnet, stattdessen blieb er brav an Carlys Seite und Holger traf wie immer stets das richtige Tempo. Lockeres taktsicheres Traben, soviel bekam ich mit. Erst als ich später die Fotos hochludt realisierte ich, dass Karlchen eine wahrhaft schöne Runde hingelegt haben musste - fast jedes Foto ein Treffer!

                                               

Tatsächlich wurde dann auch Karlchen erneut an dritter Stelle seines Ringes herausgestellt, "locker und beweglich", und die "interessante Abstammung mit dem reinen Vollblutstamm dahinter" fand Erwähnung. Da wunderte mich dann auch der freundliche Kommentar des Zuchtleiters Wilken Treu nicht mehr, als er mit einem strahlenden Lächeln im Gesicht sagte: "Die beiden gefallen uns! Da machen wir eine Verbandsprämienstute von!"

So kam es also, dass Heinz und ich etwas verblüfft mir Carly und Karlchen zum westfälischen Brennwagen zogen. Manchmal kommt es eben anders als man denkt.

Nach fünfzehn Jahren Pferdezucht in Münster ist Karlchen nun mein erstes westfälisches Fohlen und Carly meine erste in Westfalen eingetragene Stute - mit Verbandsprämie im hannoverschen Papier. Ein Treppenwitz der Geschichte eigentlich, der durchaus seiner Erklärung bedarf.

                                                

Als ich vor dreizehn Jahren mit Ionia, Carlys Mutter, den Schritt vom Vollblut in die Warmblutzucht wagte, lagen die Karten offen auf dem Tisch. Es hatte seinen Grund, dass Fabrice und Fannie Mae trotz ihrer rheinisch-westfälischen Abstammung nie in Handorf registriert waren. Dennoch war ich durchaus geneigt, das Igelchen westfälisch eintragen zu lassen und so zumindest mit einer Stute "heimatnah" zu züchten. Weshalb ich das Gespräch mit dem damaligen Zuchtleiter Dr. Marharens suchte und ihn nach seiner Meinung fragte, mit einer Vollblutstute in Westfalen vorstellig zu werden. Die Antwort war bemerkenswert:
"Ach, lassen sie das doch mit den Vollblütern. Wenn Sie unbedingt Vollbluteinsatz pflegen wollen, dann nutzen Sie doch die blutgeprägten Hengste in Hannover, dann müssen wir uns hier in Westfalen nicht mit der leidigen F1 abgeben."

Grosse Worte eines Zuchtleiters. Ich war beeindruckt.
"Disqualifizierend" war noch das Geringste, das mir zu diesem Statement einfiel.
Unprofessionell, destruktiv und demotivierend. Und durchaus geschäftsschädigend. 
Dabei hatte der Mann das Pferd zu diesem Zeitpunkt nichteinmal gesehen. Ich zog meine Konsequenzen und stellte Ionia kurz darauf in Ankum vor.
Dr. Bade leitete damals die Kommission in Ankum und trug das Igelchen ganz und gar euphorisch ("Donnerwetter! Das ist ja mal ein Vollblut, das richtig traben kann!") gleich mit v i e r Achten ins Hannoversche Hauptstsutbuch ein. Der Rest ist Geschichte.
Fortan wurden alle meine Fohlen hannoversch oder oldenburgisch gebrannt.

Wenn nun heute ausgerechnet Karlchen als jüngster Spross dieser Vollblutfamilie mein erstes westfälisches Fohlen wird und Mutter Carly als direkte Vollbluttochter und mithin Vertreter der "leidigen F1" ausgerechnet in Westfalen mit der Verbandsprämie ausgezeichnet wird, dann ist das durchaus ein Treppenwitz der Geschichte.
Ein ganz und gar bemerkenswerter dazu.
Wollen wir hoffen, dass Carly alsbald erneut tragend wird von dem westfälischen Landbeschäler Capistrano und so ausgerechnet das Vollbluterbe meiner Zucht wider alle Anfänge künftig in Westfalen seine Fortsetzung findet. Der gute Wille aller Beteiligten fünfzehn Jahre später ist ein schöner Anfang.                    


16.8.2018

Die lange Dürre dieses Sommers ist auch an uns nicht spurlos vorbei gegangen. Die Weiden haben sich in eine Steppenlandschaft verwandelt.
Karlchen ist inzwischen zu einem echten Sohn seines Vaters gereift. Capistrano's Linien, Riss und Partien hat er beibehalten, inzwischen sieht man Vater's Guck auch im Gesicht. Das Foto zeigt den abendlichen Aufgalopp zur Weide, die seit Wochen mit reichlich Heulage über Nacht bestückt ist.    

                                                                  

9.9.2018


                                                                                 


                                       

30.9.2018

                                       



                                                                                

12.10.2018


                                        
                                         ... unknown flying object in the background...


13.4.2019

Wesermarsch - Weideauftrieb der Junghengste

13.6.2019

Besuch in der Wesermarsch bei den Junghengsten


                                                       


                                                       


                                                       


                                                              


                                                      

                                                            Eine Autostunde weiter nördlich am Mellumer Riff



17.3.2020

Gemeinsam mit seinen Aufzuchtkumpeln wurde Karlchen heute umfassend getüvt. Etwas sprachlos war ich dann doch ob des Aufwandes, den das Protokoll hergab:

18 Bilder nebst Rücken, es war nichts ausgelassen worden. Wenn der Klinikchef dann persönlich am Telefon verkündet, er habe selten so makellose Aufnahmen gesehen und herzlich zu dem Pferd gratuliert, dann ist das durchaus eine Notiz wert.

Karlchen ist zwei Jahre alt und Carlys Erstling. Ein guter Tüv sagt noch nichts aus über die Qualität als Sportpferd, aber ein guter Tüv an einem zweijährigen Hengst ist eine erste Referenz auch an die Vererbung der Mutter. Carly ist zur Stammstute meiner blutbetonten Springpferdezucht auserkoren und ich weiss wie wichtig es ist, bei einer Zuchtstute auf unkritische Erbrelevanz in Hinblick auf Tüvs zählen zu können.
Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, aber eine so gelobte Schwalbe ist bereits ein guter Anfang!
    

24.4.2020

Zu Besuch bei Karlchen, Kunterbunt und Fabelhaft

                         


Seit ein paar Tagen sind Enjoy, Imagine und Karlchen nun Wallach. Die Jungs haben den Eingriff gut überstanden, Karlchen läuft guter Dinge in seiner gewohnten Aufzuchtherde. Es ist die Zeit der Weideauftriebe, Enjoy und Imagine sind bereits an der See. Karlchen und seine Aufzuchtkumpel treten morgen die Reise ins Marschland an. Ich wollte die Gelegenheit nutzen und Karlchen zuvor noch einmal daheim besuchen.

Rundum gut in Schuss ist Karlchen zu einem ansehlichen Zweijährigen gereift. Von dem zarten kleinen Erstling ist nichts geblieben, ich bin beeindruckt!
Reichlich Conen, -wer hätte das gedacht?- und das statiöse Fundament erinnert an Cornet und viele seiner Söhne.
"Vererbung ist ein Autobus voller Verwandtschaft. Man weiss nie, wer als erstes aussteigt oder noch hinten auf der Bank sitzt ..."
Ich bin gespannt, wer nach dem Weidesommer noch alles bei Karlchen aus dem Bus steigt ...  


30.11.2020

Mit dem letzten Lot Jungpferden ist auch Karlchen wieder von den Marschweiden zurückgekehrt. "1,64 hat er!", so lautete die kurze aber knappe Nachricht zu seinem Wiedereinzug in den Laufstall und ich konnte es kaum erwarten, ihn selber zu sehen.

Weshalb ich alsbald nach Wettringen fuhr, und Karlchen in der grossen Herde ausfindig machte.
Es mögen 164 Zentimeter sein, dann sind es recht kolossale 164 Zentimeter ... Starkes Fundament, reichlich Substanz und auch an Rahmen hat er über den Sommer zugelegt. Die Halsung ist mitnichten mehr mit der von Mutter Carly zu vergleichen und scheint mehr Reck bekommen zu haben. Und weil Hals im fertigen Pferd immer auch mit Rücken einhergeht, vermute ich, dass Karlchen sich zu einem rahmigen Pferd auswachsen wird.

Nach den Erfahrungen mit Butterfly in diesem Sommer, die aufgrund ihres komfortablen Rahmens gar nicht spüren lässt, dass man nur gut eineinhalb Meter Pferd unter sich hat, freue ich mich jetzt umso mehr auf das Frühjahr, wenn Karlchen dann dreijährig zum Anreiten nach Münster kommt.



2.5.2021

Karlchen ist in Münster eingezogen!

Mit seinem Einzug in Münster markiert Karlchen den Beginn meines diesjährigen "Sommerprojektes" - wie sehr habe ich darauf gewartet! Karlchen ist nun bereits das neunte selbst gezogene Fohlen, das zum anreiten und ausbilden seine Box in Münster bezieht und ich kann es gar nicht fassen, wie schnell die Zeit vergeht ...
Mit Caro Lee und Diva hat er mittlerweile schon zwei Schwestern, die auf dem Hof Altepost heranwachsen, um hoffentlich einmal das vollblutgeprägte Erbe ihrer Grossmutter Ionia xx zu pflegen. Hatte ich es damals noch bedauert, dass Karlchen nicht als Stutfohlen zur Welt kam, bin ich heute dankbar darum, erstmals einen Wallach im Stall zu haben, der möglicherweise einmal Silas' Nachfolge als mein Reitpferd antritt, vor allem aber ganz sicher nicht gleich wieder gedeckt wird ... Und ich vermute, meine Stutenfee sieht das ähnlich :-)

Mein Dank gilt der Hengststation Beckmann in Wettringen, die nicht nur Karlchen im soliden Herdenverband seiner damaligen Jahrgangsgefährten in professioneller Obhut und Aufzucht grossgezogen hat, sondern auch der Züchterin mitunter Zweifel austreiben musste. ... inclusive der immer wieder energischen Hinweise des Chefs: "Mach dir mal keine Gedanken - der wird schon gross genug!" Und ich muss schon wieder lachen, wenn ich an Mathieus regelmässige gutgemeinten Ansprachen denke. Karlchen ist das Paradebeispiel für den Spruch "Vererbung ist ein Autobus voller Verwandtschaft: man weiss nie, wer als erstes aussteigt oder noch auf der Rückbank sitzen geblieben ist!" Mit seinen drei Jahren hat Karlchen alle möglichen hippologischen Entwicklungsstufen durchlaufen, und zwar radikal. Aus dem jungen Fohlen, formschön und blutgeprägt wie ein englischer Stich, wurde erst ein knubbeliges Quaterhorse auf massivem Fundament, im letzten Winter erinnerte er dann sehr an Mutters ponyhaft gesteckten Kleinpferdetypus. Und wieder tönte es energisch,  "mach dir mal keine Gedanken - der wird schon ...!" Und Mathieu sollte Recht behalten. Als Karlchen gestern erstmals neben Silas auf der Wiese lief, habe ich mir tatsächlich die Augen gerieben. Was für ein formschönes junges Pferd! Noch voll in der Entwicklng stehend im mittsechziger Mass, linienbetont, durchaus charmant und einfach gefällig anzusehen - ich konnte nicht genug davon bekommen!

Ich ahne, dass Vater Farwick möglicherweise Recht hatte, als er angesichts Carlys und Karlchens Auftritt auf der Fohlenschau in Lienen vor drei Jahren spontan ausrief: "... so ein tolles Fohlen, noch dazu aus einer Halbblutstute, und guck dir bloss mal deine Stute an! Sabine, mit so einer schönen Halbblutstute kannst du einfach alles anpaaren und züchten was du willst!" Möglicherweise ist das wirklich so und der Vollbluteinfluss kommt nun in der zweiten Generation tatsächlich vorteilhaft zum tragen. Züchten heisst, in Generationen denken. Vollbluteinfluss ganz besonders.

Karlchen und Silas haben bereits zu einer echten Männerfreundschaft gefunden, auf der Weide, und auch im Stall. Der eine wiehert dem anderen schon zu, wenn sie nicht gleichzeitig aus der Box kommen (rein und raus geht derzeit noch nur synchron, wenn Silas gut sichtbar auch vor Karlchens Box steht), und auf der Weide sieht man sie zufrieden nebeneinander grasen (Gott sei Dank ... ). Silas gibt wie immer den Fels in der Brandung und hilft dem jungen Pferd sehr, mental mit der Umstellung fertig zu werden und in der neuen Umgebung anzukommen. Was ihn aber auch nicht davon abhält, Karlchen bereits eine denkwürdige Anekdote ins Tagebuch geschrieben zu haben. Während Karlchen in der Box bereits vertrauensvoll Nähe sucht, ist auf der Wiese kein Drankommen an das junge Pferd. Karlchen kennt weder Leckerwürfel, noch Äpfel oder Möhren. Die Möhren, die er gestern Abend ganz wie Silas in seinem Heuhaufen liegen hatte, konnte ich heute Morgen allesamt beim Boxen misten wieder aus dem Stroh fischen. Weshalb ich mittags schlauer war und zunächst hauchdünne Möhrenraspeln in Karlchens Trog schnippelte und gefällig unter den Hafer mischte. Siehe da: in Form von selbstgemachtem Naturmüsli waren die hauchdünnen Scheibchen fast alle aus dem Trog verschwunden!  

Wer also glaubt, mit einem Apfel oder einer Möhre könne man jedes Pferd locken, der hat noch nie ein junges Pferd aus dem reinen Herdenverband im Stall gehabt. Es ist nicht möglich, das junge Pferd auf der Weide mit einer Möhre zu locken, weil Karlchen noch nicht versteht, was man da eigentlich in der Hand hält. Kein Problem, sollte man meinen. Solange er sein Halfter trägt und stets hinter Silas herläuft, ist es mit etwas Geduld möglich, ihn auch auf der Weide am Ausgang wieder an den Führstrick zu bekommen. Dumm nur, wenn Silas bei seinen Kabbeleien (und die betreibt er auch im Alter von zwanzig Jahren noch zu gern ...) Karlchen das Halfter abzieht. Mir rutschte das Herz in die Hose, als ich Karlchen heute Mittag blank und ohne Halfter guter Dinge um Silas herumspringen sah. Da war guter Rat nun teuer und ich liess umgehend Pferdeflüsterer Tönne einfliegen im sicheren Vertrauen, dass Tönne es schon richten würde... Und Tönne kam und vollbrachte seine Magie im Zwiegespräch mit Karlchen. Es war eine Freude, dem rüstigen Pferdemann zuzusehen, wie er sich mit Bedacht und Ruhe an das dreijährige scheue Pferdchen heranflüsterte und nach ein paar Minuten ("geh' und hol mal eine Haferschüssel!") das Halfter über den Pferdekopf zog. Da stand ich nun mit meiner Haferschüssel in der Hand, die gar nicht mehr nötig war, und war einfach nur beseelt und dankbar. Wohl dem, der einen solchen Pferdeflüsterer zum Freund hat - danke, Tönne!

Heute Abend stand dann vor allem anderen als erste Lektion "Möhrchen lernen!" auf dem Programm. Aus den hauchdünnen Schalen wurden groschendicke Schnipsel, wie sie sich schon bei Butterfly und Ladybird bewährt hatten. Siehe da: die ersten Schnipsel fanden schnaubend ihren Weg ins Pferdemaul und wurden gefällig gekaut! Die restlichen Schalen aus dem Trog waren auch ausgeleckt. Gelernt ist gelernt. Unsere lange Reise des Ausbildens und Anreitens beginnt mit winzigen ersten Schritten - notwendige Meilensteine für Karlchens Selbstverständnis! Das wird ein ereignisreicher Sommer ...



                                               


24.5.2021

Karlchen auf dem Weg zum Reitpferd

Die helle Freude jeden Morgen, Karlchen und Silas gemeinsam auf die Wiese zu bringen und zuzusehen, wie zufrieden die beiden ihren Tag beginnen! Eine schöne Routine hatten wir mittlerweile entwickelt und heute morgen beschloss ich dann nicht nur der Fotos wegen, Karlchen auch auf der Wiese das Halfter endlich abzunehmen. Der vertrauensvolle Kerl würde auch ohne Halfter mit uns in den Stall zurück laufen. Das grössere Problem war inzwischen, dass Karlchen schon beim aufhalftern stets nach Möhren in meiner Tasche suchte und das Halfter dann mitunter schonmal quer auf dem Kopf sass...

Was hatte das junge Pferd nicht alles gelernt in den letzten drei Wochen!
Handpferd und Bahnübergang, Eisenbahn, Ponykutsche, rauschende Bäche und Böschungen, die kleine Halle stressfrei auch allein, Sattel, Trense, Longieren und ganz besonders Freispringen! Wenn ich mit Karlchen in die kleine Halle kam, baute ich ihm gern einen Sprung auf aus allem, was dort zur Verfügung stand: ein Hocker, ein grosser blauer Gymnastikball, und natürlich auch richtige Sprungständer. Meist hatte ich den Sprung noch gar nicht fertig aufgebaut, da war Karlchen schon einmal hin und und wieder zurück darübergehüpft! Der brave Kerl sollte und wollte einfach beschäftigt werden und meine grösste Sorge war, ihn nicht zu langweilen. Überfordern wollte ich ihn aber auch nicht.


                                               


Zwei, drei Mal allein am Halfter an der Longe und er hatte begriffen, was er zu tun hatte. Ein paar Runden nur rechtsrum und linksrum jedes Mal nur, und mit Michaels Hilfe sorgten wir dafür, dass auch die offene Seite "rund" gelaufen wurde. Michael war es auch, der erstmals eine richtige kleine Freispringgasse mit mir aufbaute und Karlchen fluppte lässig über Stange - Kreuz - Stange und beim zweiten Mal Freispringen auch über zwei Sprünge in der Reihe, Stangen auf dem Boden jeweils davor und dahinter. Rhytmus, Übersicht, Gelassenheit und Körper - mir lachte das Herz! S o muss Springpferd!
Ich begann inständig zu hoffen, das Karlchen neben all seinem unkomplizierten neugierigen Wesen, Ruhe und Übersicht auch die gewünschte Einstellung, Fähigkeit und Vermögen zum Springpferd in sich trug. Vermögen wollte ich keinesfalls an- und austesten. Dass der brave Kerl Springen kann, war schon an den kleinen Oxern offensichtlich. Wichtig war die Einstellung. Ein zweiter Shannon sollte bitte davon werden ...  

Tatsächlich war ich hellauf begeistert, als Karlchen das erste Mal ganz selbstverständlich durch die dunklen Pfützen spazierte, die Silas noch heute am liebsten weiträumig umgeht. Nachdem er die dunklen Flecken erstmals mit der Nase erkundet und festgesetllt hatte, dass man daraus auch saufen konnte, waren Pfüzten eben Pfützen. Man konnte darin stehen, oder auch einfach hindurchlaufen. Oh Karlchen!

Das war der Tag, an dem ich zu hoffen begann, dass möglicherweise auch das unerschrockene Buschpferd in ihm schlummert, das ich mir so sehr seit Shannon noch einmal wünsche... 

                                               



Tatsächlich ist Karlchen aber bei all seiner liebenswerten Unkompliziertheit auch ein sensibles Pferd. Vom ersten Tag an liess er Kontakt von vorn und von hinten zu, von der Seite jedoch, auf Rückenhöhe, war kein Drankommen möglich und er wich jedes Mal rückwärts aus. In der Box, frei auf der Stallgasse oder auf dem Putzplatz mit dem Strick über dem Hals, auf der Weide sowieso. Ein absolutes Rätsel. Von hinten stand er wie eine Eins. Von vorn sowieso. Seitlich wich er konsequent rückwärts aus. Ruhig, aber nachhaltig rückwärts. Flugs kam also das Höckerchen zum Putzen wieder ins Spiel, um seitliche Annäherung bewusst auch von oben zu üben und ich begann mit Karlchen, wie ich es schon mit Ladybird praktiziert hatte: in Ruhe jeden Tag aufs Neue nach der Arbeit seitliche Annäherung bewusst vom Hocker aus üben. Das Ziel war, dass er mir ohne auszuweichen von oben über seinen Rücken gebeugt von der anderen Seite Möhrchen aus der Hand nahm. Dies war die kritische Position, wenn es später Mal ans Aufsitzen ging und das musste einfach sitzen. Eine zweite unvermutetet Panik beim ersten Aufsitzen wie bei Ladybird wollte ich von vornherein ausschliessen. Und so nahm ich mir Zeit. Viel Zeit. Tatsächlich gewann er das meiste Vertrauen, als ich ihm die ersten Gegenstände frei und ohne Anbinden auf und über den Rücken legte: eine Satteldecke, einen Deckengurt, loses Angurten von der Seite und stets ein Möhrchen mit jedem nicht-ausweichen .... Es folgte der Sattel zunächst noch ohne Decke, lose angegurtet und stets ein Möhrchen mit jedem nicht-ausweichen ... dann die Satteldecke, darauf in Ruhe der Sattel angestrippt, erneut lose angegurtet und stets ein Möhrchen mit jedem nicht-ausweichen ... Die Stallgasse rauf und runter und mit jedem Gang ein Loch weiter angurten und Möhrchen .... So wurde Angurten und die seitlich dazu erforderliche Annäherung recht schnell zu einer erfreulichen Beschäftigung, die er vertrauensvoll mitmachte.

Bald waren wir so weit, dass ich ihn stets mit Sattel, Trense und losen Bügeln in der kleinen Halle freilaufen liess, longierte oder einfach nur springen liess. Danach folgte dann jedes Mal im Anschluss als nächste Lektion auf dem Putzplatz die Annäherung vom Hocker über den Sattel - inclusive der Möhrchen von oben übers Pferd von der anderen Seite angereicht. Das Konzept hatte bei Ladybird funktioniert, es funktionierte auch bei Karlchen. Ob es sich jedoch zum Nachahmen empfiehlt, lass ich dahingestellt. Man muss schon etwas verrückt sein, sich ohne Helfer allein vom Hocker aus so weit über ein junges Pferd zu beugen, dass man beinahe schon darüberliegt, um von der anderen Seite das Maul zu erreichen ... Ganz bewusst sieht die klassische Reitlehre ein solches Prozedere nicht vor. Gleichwohl, der Zweck heiligt die Mittel und mir war alles heilig, womit ich dem Pferd Vertrauen vermitteln konnte.     


                                               


Unsere gemeinsamen Ausritte als Handpferd an Silas' Seite erfolgten zunächst nur sporadisch. Silas sollte nur auf hartem Boden Schritt gehen, ich hatte ihn bewusst seit dem Herbst nicht mehr geritten und wollte den braven alten Kerl so weit es ging schonen. Schrittreiten nur auf hartem Boden war im Mai wetterbedingt zunächst nicht wirklich möglich. Karlchen benötigte daher etwas länger, um zu der üblichen Jungpferderoutine als Handpferd zu finden. In der dritten Woche absolvierten wir unser Handpferdeprogramm dann regelmässig und es dauerte nur drei Ritte, bis Karlchen auch ohne zu Kabbeln brav neben uns herlief. Die Rangfolge war geklärt, Silas war der Chef und Karlchen stellte die Position nicht mehr in Frage.

Kurios war dann die Szene, als wir auf dem Sandweg parallel zu den Bahnschienen an der tiefen und inzwischen dicht bewachsenen Böschung an dem Bachlauf entlang kamen, der hier deutlich laut plätschernd Zufluss von einem Seitenarm fand. Nach dem vielen Regen rauschte und plätscherte es deutlich wahrnehmbar unter der dichten Böschung ... Silas kannte die Stelle jedoch seit Jahren und hatte nie mit dem Ohr gewackelt. Auf ein plötzliches "Kehrt!" war ich ganz und gar nicht gefasst! Karlchen auch nicht. Der war mehr von dem "Kehrt!" als von dem Plätschern beeindruckt und wickelte sich erschrocken mit der Longe bis auf den angrenzenden Acker um uns herum. Nicht witzig. Nachdem ich die Pferde wieder passig sortiert hatte näherten wir uns erneut der Böschung. Keine Chance, Silas klemmte, marschierte rückwärts und machte Kehrt. Da war nun guter Rat teuer. Insbesondere, als Karlchen dann am nächsten Tag an selber Stelle scheute und Silas gleich mit davon zog. Karlchen scheute nicht vor dem plätschernden Bach (so weit waren wir noch gar nicht gekommen), sondern weil dies die Stelle war, an der Silas tags zuvor kehrt gemacht hatte. Es bleib mir nichts anderes über als meine beiden Rösser zurück zum Stall zu pilotieren und mit Silas nachsitzen zu üben... Nicht zu fassen! Ein zwanzig Jahre altes Pferd, das alles kennt! Eine Springgerte hatte ich mir wohlweislich in die Chaps gesteckt und los gings Richtung Sandweg, Bach und Böschung. Ich war auf alles gefasst. Nur nicht auf das, was dann passierte. Gar nichts. Silas marschierte am langen Zügel unbeeindruckt an Bach und Böschung vorbei, hin und wieder her, ganz egal, an welcher Plätscherstelle ich auch anhielt, er blieb völlig unberührt.
Hallo?

Also tagsdrauf erneut mit beiden Pferden die selbe Strecke abgeritten und ich war wieder auf alles gefasst. Erneut war es Karlchen, der hier wieder scheute, aber Silas marschierte tatsächlich ruhig weiter und nach einigen Malen hin und her war auch dieses Problem gelöst, und zwar endgültig. Braver Silas. Hätten wir auch gleich so haben können ...       
 

                                                                       
                                                


Silas und Karlchen in ihrer Männerfreundschaft zu beobachten, ist immer wieder schön! So hat Silas mit seinen zwanzig Jahren erneut eine Aufgabe und er nimmt sie in jeder Hinsicht wahr. Ist Karlchen übermütig, lässt Silas sich gern zum Toben inspirieren. Tatsächlich kabbeln die beiden auch häufiger auf der Wiese, als Silas das sonst mit den jungen Stuten getan hat. Allerdings korreliert Karlchens Kabbellaune deutlich mit dem Grad seiner sonstigen Beschäftigung. Hat er zwei Tage gar nichts getan, wird er Silas gegenüber gern Mal übermütig. Ist er aber täglich als Handpferd, in der kleinen Halle freilaufend, in kurzen Longeneinheiten oder beim Freispringen unterwegs, bummelt er am nächsten Morgen zufrieden neben Silas her und denkt gar nicht an Kabbeleien. Man staunt, wie sehr selbst so dosierte Arbeit ein junges Pferd doch fordert. Als ich dann diesen Schnappschuss von dem furiosen Silas sah, musste ich doch laut lachen! Keine Frage, wer in dieser Beziehung die Hosen an hat!


                                                                       




                                                


3.6.2021


Das erste Mal!

"Wenn wir aus Polen wieder zurück sind, dann geht es aber los mit dem aufsitzen!", so lautete Carmens klare Ansage, bevor Stall Klimke sich in der letzten Woche auf den Weg zur internationalen Vielseitigkeit nach Barborowko aufmachte. Eine Woche hatte ich also noch Zeit, mich mental darauf einzustellen, dass es nun endlich "ernst" wurde! Am Mittwoch nach Barborowko hatten wir Drei dann unseren grossen Tag!

Ich hatte Karlchen in aller Ruhe gesattelt und aufgetrenst, eine Routine, die stets ihre guten zwanzig Minuten fordert. Gesattelt die Stallgasse auf und abführen und mit jedem Loch nachgurten ein Möhrchen. Das braucht numal seine Zeit, sorgt aber dafür, dass "nachgurten" positiv vom Pferd wahrgenommen wird. Der Schreck, den Carly seinerzeit beim vermeintlich nicht einmal festen Angurten davongetragen hatte, war mir noch immer nachhaltig und präsent im Kopf. Soetwas sollte mir nie wieder mit einem jungen Pferd passieren. Carly ist ausserdem Karlchens Mutter. Wer weiss, ob er nicht die selben Sensibilitäten für derartige Umstände pflegt?

In schwüler Hitze absolvierten wir unser Schrittprogramm auf dem Hof und machten uns auf den Weg in die kleine Halle. Erstmals wollte ich Karlchen mit Ausbindern ein paar Runden longieren und war gespannt, wie er darauf reagieren würde. Nachdem er zuvor ein paar Runden frei durch die Halle lief und nichteinmal zum bocken zu motivieren war, reagierte er auf die recht losen Ausbinder wie auf alles andere: eigentlich gar nicht. Er streckte den Kopf nach unten, verrenkte das Maul ein paar Mal gegen die ungewohnten Zügel und trabte unbeeindruckt um mich herum. Wunderbar! Ein paar Runden nur auf jeder Hand, mehr wollte ich ihn nicht auf unnatürlicher Kreisbahn fordern.

Zurück im Stall nahm Carmen dann erstmals auch Karlchen in Empfang. Wir hielten uns strikt an unser bewährtes Prozedere vom letzten Jahr mit Butterfly und Ladybird: Möhrchenschnipsel, und reichlich davon! "Und wo ist Silas?", fragte Carmen. Den hatte ich doch glatt vergessen! Natürlich gehörte Silas auf dem Putzplatz mit dazu, wenn Karlchen erstmals einen Reiter im Sattel kennenlernen sollte ...

Von der vertrauten kleinen Trittleiter aus legte ich mich vorsichtig frei über den Sattel. Von rechts und von links, Ausgewogenheit muss sein. Drüberlegen zunächst nur, mit der Gewissheit, dass ich sofort auf den Hocker zurückrutschen konnte, sollte Karlchen Zeichen von Anspannung zeigen. Er zeigte sie nicht. Carmen verteilte derweil ausgiebig Möhrenschnipsel in beide Pferdemäuler und am Ende war ich es, die in Schweiss geriet, weil ich ständig vom Hocker klettern und für neue Möhrenschnipsel sorgen musste ... Tatsächlich hatte ich nicht den Eindruck, dass Karlchen überhaupt etwas mitbekam von dem, was sich oben auf seinem Rücken zutrug. Er war völlig entspannt. Ein paar Mal führte Carmen ihn über den Putzplatz, um ihn dann erneut neben Silas in Stellung zu bringen, und ich kletterte wieder von beiden Seiten aufs Pferd. Zuversichtlich schwang ich dann endlich das Bein ganz rüber und sass vollständig auf. Karlchen hob den Kopf und registrierte das Bein hinten über sich. Das war der Moment, der mir am meisten Sorge bereitet hatte. Wie würde er reagieren, wenn er die ungewohnte Bewegung hinten über sich wahrnahm? Das Pferd, das bis vor kurzem jeder seitlichen Annäherung noch hartnäckig ausgewichen war? Von der Seite und von oben dazu - da kamen gleich die Erinnerungen an Ladybird mit ins Spiel, die in dieser Situation ganz unerwartet panisch ragiert hatte. Man lernt eben mit jedem jungen Pferd dazu.

"Alles gut!" sagte Carmen, "der ist entspannt! Der guckt nur, aber frisst schon wieder seine Mörhchen!".
So sollte das ein. Ich war erleichtert!
Ein paar Mal kletterte ich nun von beiden Seiten ganz aufs Pferd und nahm auch den Bügel als Abstützhilfe mit dazu. Das machte es erheblich einfacher und Karlchen akzeptierte alsbald auch die kurze einseitige Belastung ohne Anspannung.
  

                                                       


Das erste Mal auf dem selbst gezogenen Pferd!
Schweissgebadet (der schwülen Hitze geschuldet) und überglücklich - wieder einmal!
Diese Momente eben, die man nirgendwo für Geld kaufen kann. Momente, die mich ticken machen.

Am nächsten Tag wiederholten wir unser Programm, nachdem ich Karlchen kurz mit losen Bügeln freilaufen lassen und locker ausgebunden ein paar Runden longiert hatte. Carmen brachte einen Überraschungsgast mit - Sophia! Was für eine Freude!
Aufs Pferd legen, ganz in den Sattel setzen und dann auch mit Reiter ein paar Runden über den Putzplatz führen - allein der Vorrat an Möhrchenschnipseln begrenzte unsere Aktivitäten auf eine überschaubare viertel Stunde. Anerkennend nickte Sophia zu unserem Programm. "Nicht zu glauben, dass dies das Pferd ist, das man vor vier Wochen nichteinmal einfangen konnte!", lobte Carmen. "Da musste extra Tönne für einfliegen und Karlchen auf der Weide wieder einfangen!", fügte ich hinzu und Sophia mochte es nicht glauben. "Sabine hat einfach gute Vorarbeit geleistet!" lobte Carmen nocheinmal, und natürlich habe ich mich über die Anerkennung gefreut. Karlchen hat einfach eine Menge gelernt. Selber im Sattel sitzen ist das Tüpfelchen auf dem "I"! Danke, Carmen!



8.6.2021


Vom ersten Aufsteigen zum ersten Ausritt in fünf Tagen ....

"Um halb acht morgen früh bin ich da!", so verabschiedete Carmen sich gestern Abend nach unserem vierten Mal aufsitzen. Erstmals war es von der Stallgasse auch nach draussen um den Stall gegangen. Geli hatte Silas am Kopf und lief mit ihm vorweg ins Grüne. Carmen führte Karlchen hinterher und ich wunderte mich, wieso das Pferdchen plötzlich so flott unter mir wurde? "Was hat er? Will er Silas überholen?" "Neee... Silas ist so flott! Karlchen will nur dranbleiben!" Ach ja .... So ist das wenn zwanzig Jahre Pferd vorweg laufen ...

"Und was machen wir morgen?" "Ausreiten!"
Es war einfach der logische nächste Schritt.

Heute morgen war ich also schon früh im Stall und absolvierte mit beiden Pferden gesattelt vorab eine erste Soloschrittrunde. Der Sattel sollte sicher liegen und Karlchen seine Zeit haben, sich entspannt unter dem Sattel zu bewegen bevor ich aufstieg. Tatsächlich bot ich ihm danach auch noch die Möglichkeit, sich kurz in der kleinen Halle auszutoben. Sicher ist sicher, dachte ich. Nötig war es allerdings nicht. Nur mässig engagiert bummelte Karlchen durch die kleine Halle und wir standen zügig wieder im Stall. Müde wollte ich ihn nicht machen. Wir konnten auch so auf Carmen warten. Vorweg kam der Hund und machte mich grinsen. Genau so hatte es sich im letzten Jahr auch mit Ladybird und Butterfly abgespielt. Der Hund war von Anfang an dabei. Hinter den Pferden, daneben oder mitunter auch vorweg. Die natürlichste Sache der Welt. Wir rangierten Silas und Karlchen passig nebeneinander, ich sass zügig im Sattel und nachdem Carmen noch Longe und Zügel sortiert hatte, gings los. Völlig unaufgregt. Völlig entspannt. Als hätten wir nie etwas anderes getan. Stall Klimke führte gerade die ersten Pferd auf die Weiden, wir ritten einfach hinterher. Karlchen im Sixpack. Ganz natürlich. Ruck zuck waren wir durch den Wald, an der Bahnschranke und auf der Rennbahn, auf dem Rückweg schafften wir es sogar, einmal die Bahn abzupassen. Karlchen zuckte nicht mit dem Ohr. Zurück am Stall rechnete Carmen dann vor:

"Donnerstag hast du das erste Mal draufgesessen. Du sitzt jetzt das fünfte Mal auf dem Pferd. Wahnsinn!"

So hatte ich das noch gar nicht betrachtet. Mit dem Beginn des Aufsitzen und im Sattel sitzen wollte ich lediglich die nachhaltige Routine pflegen. Alles andere hatte sich wie von selbst ergeben. Maripancremetortenmoment! Braves Karlchen! 



                                                                       





1.7.2021

Schallend lachen musste ich, als Carmen bei unserem gemeinsamen Ausritt das Handy zückte und einen kurzen Clip drehte, um Philip tagsdrauf erstmals in Karlchens Sattel zu locken ...

                                                                                      Wenn Carmen lockt ... (Videoclip anklicken)


Vier Mal war Carmen in Silas Sattel gemeinsam mit Karlchen und mir unterwegs gewesen, die letzten beiden Male hatten wir die Longe auf dem Rückweg bereits abgenommen und Karlchen lief frei unter mir daher, zufrieden immer eine halbe Pferdelänge vorweg. So auch heute.
Als uns kurz vor dem Wäldchen eine bunte Ponykutsche entgegenkam und beide Pferde aufmerksam die Ohren spitzten, war Carmen sofort an meiner Seite. "Longe? Besser, ich nehm' das Karlchen jetzt wieder an die Leine?"

Ich grübelte kurz. Tatsächlich hatte Karlchen die bunte Kutsche hinter den Bäumen zunächst gar nicht wahrgenommen. Aufmerksam war er erst geworden, als Silas die Ohren spitzte und das spannende Gefährt beäugte. Karlchen würde tun, was Silas tat. Solange Silas also ruhig blieb, würde auch Karlchen ruhig bleiben. Weshalb ich überzeugt den Kopf schüttelte.

"Nein. Das schaffen wir auch ohne Longe. Du musst nur dafür sorgen, dass Silas ruhig bleibt."

"Aha," meinte Carmen etwas skeptisch und wollte schon die Zügel aufnehmen. "Nein, nein, nicht die Zügel aufnehmen! Leg ihm nur die Hand auf den Hals, dann bleibt er ruhig stehen …"
So war es dann auch.
Das rappelnde bunte Gefährt war auf meine freundliche Bitte kurz vor uns zum Stehen gekommen und die Insassen begrüssten uns freundlich. Wir erklärten kurz den Sachverhalt mit dem noch unlenkbaren jungen Pferd (...) und baten, langsam um die Kutsche drumrum reiten zu dürfen.

Silas und Carmen marschierten auch ruhig an dem Gefährt vorbei. Karlchen, der schräg hinter Silas angehalten hatte, stand nun mitten vor der Kutsche. Genauer gesagt:
Karlchen stand dicht vor dem bunt aufgeschirrten Haflinger und war höchst verzückt! Sowas hatte er ja noch nie gesehen! Neugierig, wie es nunmal Karlchens Naturell ist, schob er dem Haflinger die Nase entgegen und besah sich alles ganz genau. So genau, dass wir eigentlich schon halb im Gespann standen und gute Chancen hatten, uns in den Leinen zu verheddern …

Da war nun guter Rat teuer. Eigentlich hätten wir jetzt einen Schritt zurück und dann rechts an dem Gespann vorbeireiten müssen. Eigentlich. Wenn man aber auf einem Pferd sitzt, bei dem weder die Lenkung, noch Gas und Bremse installiert sind, gestaltet sich so eine Aktion schwierig.

Etwas rustikal versuchte ich, Karlchen mit dem Zügel nach rechts von seinem neuen Spielzeug weg zu ziehen. Mit zweifelhaftem Erfolg. Lenkung klar übersteuert!
Karlchen stolperte nach rechts in die Böschung und war erneut verzückt - hier gab es von allen Seiten dichtes hohes Gras und von oben noch Blattwerk dazu! "Was für ein herrlicher Ausritt!", dachte Karlchen, und frass sich zufrieden durch die Böschung. Keine Chance, hier ohne fremde Hilfe wieder raus zu kommen. Carmen musste Silas wenden, ebenfalls halb in die Böschung klettern und die Longe wieder am Halfter einhaken. Ein Ruck, und das Karlchen stand wieder auf dem Weg und bummelte brav hinter Silas her an der Kutsche vorbei.

Lachend verabschiedeten wir uns von der Kutsche und feierten Karlchens Nerv. Ein noch rohes dreijähriges Pferd, und nicht zu beeindrucken … Da gab es erfahrene Reitpferde, die angesichts dieses Gefährts sicherlich einen Haken geschlagen und Reissaus genommen hätten.

Zügig hakte Carmen darauf die Longe auch wieder aus (jetzt konnte uns doch wirklich nichts mehr beeindrucken?) und griff kurz drauf zum Handy. So entstand der Clip vom wilden Karlchen, mit dem Carmen Philip zu seinem ersten Mal im Sattel des wilden Dreijährigen lockte  … und ich muss schon wieder lachen, wenn ich nur daran denke.  

Es war wirklich allerhöchste Zeit, dass Philip nun endlich Gas und Bremse installierte - und ein bisschen Lenkung dazu wäre auch ganz schön ....



                                     

Die schönste Art, den Tag zu beginnen: Karlchen und Silas im Morgengrauen an der Aa.
Handpferdereiten mit Karlchen - ein Schnappschuss aus dem Sattel von Milea.


3.8.2021

Junge Pferde unterm Sattel und ein weiterer Marzipan Cremetorten-Tag!

Westfalenwoche, Urlaub, und ich nutzte die frühen Morgenstunden zu einem Experiment. weiterlesen bei Butterfly ...

In Hochstimmung sattelte ich am Abend Karlchen, Philip sollte einmal mehr Lenkung, Gas und Bremse installieren. Longieren gab es gar nicht mehr, schon die letzten Male hatte ich die beiden direkt vom Stall in die kleine Halle geführt und Philip ritt direkt aussen rum. Schritt, Trab und Galopp mit Handwechsel, die Bahnfiguren gerieten jedes Mal treffsicherer. Zum Abschluss waren wir im Schritt um die Weiden spaziert. Zeit für einen weiteren neuen Schritt:

„Heute erstmals grosse Halle?“
„Ja, machen wir!“
Kein Problem. Ich führte die beiden in der deutlich anspruchsvolleren grossen Halle aussen rum, doch selbst die Spiegel waren uninteressant. Karlchen schlug lediglich einen Bogen um die Hiderniskammer an der langen Seite. Lange hielt er sich damit allerdings nicht auf und die beiden trabten auch hier zügig ihres Wegs. Nichts anderes hatte ich erwartet. Trab und Galopp funktionierten auch in der grossen Halle. Zeit für einen weiteren neuen Schritt:

„Heute erstmals allein um die Wiesen?“
„Ja, machen wir!“
Philip wie er leibt und lebt. Natürlich geht das schon allein mit Karlchen um die Wiesen!

Ich begleitete die beiden bis hinter die kleine Halle, wo sie zügig ausser Sicht gerieten. Gespannt wartete ich vor dem Stall ab, dass die beiden jenseits der Wiesen wieder in Sicht kamen. Entspannt bummelte das hellbraune Pferdchen unter dem leuchtendroten Reiter im Sattel alsbald von rechts nach links durch das Panorama zwischen den beiden Hallen. Ich war erleichtert! Dann dauerte es jedoch eine Weile, bis sie diesseits der grossen Halle wieder ins Bild gerieten und als es so weit war, lief Carmen nebenher. „Oh! Was ist passiert? Musste Carmen euch retten?“ „Nein, nein, alles gut! Wir haben uns nur beim Pferdetausch getroffen und bis hierher festgequatscht!“ Wunderbar!

Wir waren uns alle drei einig: „Was für ein unkompliziertes braves Pferd!“
Und Carmen setzte lachend hinzu: „Heute morgen Butterfly und jetzt Karlchen, das ist doch ein echter Marzipan Cremetorten-Tag für dich?“ Wo sie recht hat, hat sie recht.


8.8.2021

                                                       

Schnappschüsse von Karlchen und Philip am Sonntagmorgen. Die Sonne strahlte und nachdem die beiden ein paar Minuten in der grossen Halle unterwegs waren fragte ich:

„Heute erstmals allein um die Wiesen traben?“
„Ja, machen wir!“

Oh, wenn alles im Leben nur so unkompliziert wäre wie Philip und Karlchen ...

Natürlich trabten die beiden vom Fleck weg aussen rum. Und natürlich beliess Philip es nicht beim traben. Es dauerte nicht lange, und sie galoppierten um die kleine Rennbahn. So entspannt und selbstverständlich. Ich konnte mich einfach nicht daran sattsehen. So schön!



27.8.2021

"Wann reiten wir denn wieder zusammen aus?"
Mir lachte das Herz, als die vielbeschäftigte Carmen -gerade zurück vom grossen Sport aus Arville- nach einem schrittbetonten gemeinsamen Vergnügen mit Silas und Karlchen fragte!

Mittwochabend war es soweit, und ich hatte einen wohlbedachten Plan im Gepäck. Mit Carmen auf Silas an meiner Seite wäre es endlich an der Zeit, mich selber mit Karlchen im Trabe um die kleine Rennbahn zu versuchen ... Seit langem trabt und galoppiert Philip ganz selbstverständlich mit Karlchen um die Wiesen. Höchste Zeit, dass ich mir selber einen Ruck gab!

Pünktlich wie die Maurer erschien Carmen eine Minute nach halb acht auf der Stallgasse. Ich hatte just überlegt, dass eine Minute über die Zeit für Carmen schon sehr ungewöhnlich sei, da kündigten die trapsenden Hundepfoten vorweg ihr Erscheinen auch schon an. Karlchen und Silas standen gesattelt bereit und ich war not amused, als Karlchen beim aufsitzen tatsächlich einen Schritt vom Höckerchen weg tat. Und noch einen. Das ging gar nicht! Da stand ich auf dem Hocker und er lies mich am ausgestreckten Arm verhungern? Runter vom Hocker und erstmals gab es jetzt einen energischen Klaps auf den braunen Pferdepopo. Karlchen war bestürzt. Das hatte er ja noch nie erlebt! Warte Bursche, stehenbleiben beim aufsitzen haben wir gelernt, das gehört zum ganz kleinen Einmaleins und Nickeligkeiten werden nicht akzeptiert! Björn stellte sich ruhig vors Pferd, so wie ich immer davor stand, wenn Philip aufsass. Gänzlich kontaktlos, keine Hand am Zügel. Siehe da, das Karlchen stand! Und er stand noch reglos und zuckte nicht mit dem Ohr, bis auch Carmen in Silas' Sattel sass. Geht doch.

Ein mustergültiges Karlchen schritt unter mir daher, Carmen und ich schwatzen uns durchs Gelände davon - so schön! Das Stroh wurde eingefahren, auf dem Waldweg war lauter und schwerer Maschinenverkehr unterwegs. "Da können wir jetzt aber nicht her", meinte Carmen besorgt.

"... ?"
Natürlich konnten wir. Karlchen marschierte am langen Zügel an dem tösenden Schlepper nebst riesigem Anhang hinter Silas her, drückte sich etwas dichter an den Bäumen entlang und zuckte diesmal tatsächlich auch mit dem Ohr. Das war es aber auch schon. Braves Karlchen! Das Spielchen wiederholte sich auf dem grossen Stoppelfeld bei ebenso regem Frontlader- und Schlepperverkehr - wir zogen gelassen unseres Weges und wichen nicht einmal von der Spur ab. Selbst die Öhrchen zuckten nicht mehr.

Zurück bei den Wiesen gab es nun keinen Grund mehr, endlich anzutraben. Von Silas weg, auf Anhieb allein und nur auf Schenkeldruck, ein, zwei Mal leicht gegen die Hand, dann hatten wir uns eingefummelt. Karlchen schnurrte im Trabe unter mir daher und es war die helle Freude im Sattel! Geriet er dabei mal etwas zu dicht an die Bäume, reichte ein leichtes Touchieren mit der kurzen Gerte auf die äussere Schulter, schwupps trabten wir wieder mittig daher. Köpfchen runter, Öhrchen vor, nach kurzer Zeit war die natürliche Anlehnung spürbar, ich kam zum nachgeben und mir lachte das Herz! Karlchen und ich waren fühlbar auf dem Weg zum gemeinsamen Reitpferd!

Carmen teilte meine Freude an dem jungen Pferd mit aufrichtiger Anerkennung, was für ein souveränes junges Pferd! Strahlend und noch mehr schwatzend bummelten wir zurück zum Stall. Und jetzt gab es also keinen Grund mehr, das nächste Mal ganz allein mit Karlchen loszuziehen ....



28.8.2021

... und so kam es, dass ich am freitagnachmittag klopfenden Herzens den Plan in die Tat umsetzte und erstmals ganz allein mit Karlchen loszog. Aufsteigen mit Luft anhalten vom Höckerchen, siehe da: das Pferd stand! Und wie er stand! Mit einem breiten Grinsen liess ich mich in den Sattel gleiten, und Karlchen stand noch immer. Felsenfest.

Guter Dinge machten wir uns auf den Weg Richtung kleine Rennbahn. Weit kamen wir nicht und es begann zu regnen. Karlchen war not amused und fing an zu quengeln. Zurecht. Innerhalb weniger Augenblicke schüttete es wie aus Eimern. Da sass ich nun auf meinem quengeligen Dreijährigen, der deutlichst zurück in den Stall wollte, und war klatschnass. Guter Rat war nun teuer. Dem Pferd nachgeben und umkehren? Beim ersten gemeinsamen allein-unterwegs dem jungen Pferd nachgeben? Mit ziemlicher Sicherheit würde ich dann zukünftig allein nicht mehr weit kommen. "Umkehr antesten" wollte ich gar nicht erst einreissen lassen. Also die Zähne zusammenbeissen und konsequent durch den Regen treiben. Und ich wurde einmal mehr positiv überrascht: Karlchen liess sich überreden. Ungern, aber er tat was ich wollte und stapfte durch das Nass. Braves Pferd! Wenigstens die erste Runde mussten wir hinter uns bringen, dann konnten wir immer noch abbrechen. Wir flüchteten in die Halle. Schrittreiten nur, doch es quitschte und quatschte in meinen Ärmeln, Hose, Sattel. Nicht witzig.

Der Regen liess nach, nasser als nass bis auf die Haut konnten wir nun nicht mehr werden. Ab über den Springplatz und zurück auf die kleine Rennbahn. Herzklopfen - antraben! Und es lief! Ich konnte auf Anhieb da weiterreiten, wo ich vor zwei Tagen aufgehört hatte. Zügelmass, Sitz und Hand dran - Köpfchen runter, Öhrchen vor, Karlchen trabte! Mir fielen die Steine nur so vom Herzen. Drei vier Runden am Stück, flott unterwegs, dabei immer lockerer, ich kam zum nachgeben, grosszügiger Handwechsel über den Springplatz (in meiner grenzenlosen erleichterten Aufregung vergass ich prompt den Handwechsel...) und noch eine Trabrunde um die Wiesen. Kein Moment Unsicherheit, ich war begeistert! Genau so hatte ich mir unser erstes gemeinsamens zusammenfinden erhofft und doch seit Tagen tausend gute Gründe gefunden, die Probe aufs Exempel aufzuschieben ... Jetzt fühlte ich mich wie im letzten Jahr beim "ersten Mal" auf Butterfly. Damals dachte ich, die unkomplizierte Rittigkeit läge an Benicio. Möglicherweise lag es aber auch an uns? Der kleinste gemeinsame Nenner von Karlchen und Butterfly sind Philip und ich. Möglicherweise haben wir mit den jungen Pferden bisher wenig falsch, aber vieles richtig gemacht?

Zum Abschluss eine entspannte grosse Schrittrunde am langen Zügel an der Bahn entlang, der Wind pfiff nur so durch die dichten Bäume und das Gebüsch, Karlchen war aufmerksam aber stets gelassen bei mir. Was für ein braves junges Pferd! Trocken war er inzwischen auch, trockener jedenfalls als ich. In Hochstimmung kamen wir nach einer dreiviertel Stunde wieder in den Stall und ich schwebte auf kleinen rosa Wölkchen um Karlchen herum. Der genoss die grenzenlose Aufmerksamkeit, ganz besonders als mit jedem Gang aus der Sattelkammer zahlreich Äpfel und Möhren den Weg in sein Maul fanden ... So darf es gern weitergehen!



29.8.2021

Nachdem Karlchen mir diese Woche bereits zwei Highlights im Sattel beschert hat, stand heute also unser drittes Mal an. "Das volle Programm!" hatte ich mir vorgenommen, meint: vorweg eine ausgiebige Schrittrunde bis hinter die Bahnschienen um die grosse Rennbahn und bewusst an der Eisenbahn zurück auf die kleine Rennbahn um die Wiesen. Ein mutiges Schrittprogramm für einen "frischen" Dreijährigen vom Fleck weg allein aus dem Stall raus. Genau so hatte ich es mit Silas die letzten Jahre immer gemacht und auch Butterfly hat im letzten Jahr stets dieses Programm absolviert. Aus gutem Grund. Diese Schrittrunde dauert eine knappe halbe Stunde und ist die ideale WarmUp Vorbereitung für die eigentliche Trab- und Galopparbeit. Aber bei welchem Dreijährigen steht heute der ausgiebige Schritt schon am Anfang?

Immer noch mit etwas Herzklopfen fischte ich das blitzeblanke Karlchen aus der Box, putzen konnte ich mir heute sparen. Karlchen und Silas hatten den Morgen im Regen auf der Wiese verbracht und glänzten naturfrisch. Früher als gedacht stand ich also auf dem Höckerchen zum Aufsitzen und sah meinem Karlchen scharf ins Gesicht. Der konnte erneut kein Wässerchen trüben und stand wie ein Baum. Die Lektion hatte er sich gemerkt. Grinsend rutschte ich in den Sattel.

Forsch aber entspannt ging es um die Wiesen bis zum Bahnübergang und Karlchen entschied vor den Schranken "Oh! Hier kenn ich mich aus! Hier biegen wir jetzt rechts ab (zurück nach Hause)..." "Ganz sicher nicht, mein Freund!", leichtes Klopfen mit der Gerte auf die rechte Schulter und das Ganze mit dem rechtem Schenkel unterstützt - siehe da, das Karlchen akzeptierte und lernt auch spürbar Schenkelhilfe ... Im Stillen dachte ich wie gut es doch war, dem drängelnden Karlchen vor zwei Tagen im strömenden Regen nicht nachgegeben zu haben. Diskussionen wie diese gilt es von vornherein gar nicht aufkommen zu lassen. Und ich hoffe, das gelingt uns auch weiterhin. Etwas aufgeregt marschierte Karlchen dann auch erstmals ganz allein parallel zu den Schienen die grosse Rennbahn entlang. Aufgeregt, aber brav. Etwas forsch dabei und spürbar motiviert. So sollte das sein.

Zurück bei den Wiesen trabten wir zügig an und es lief erneut wie erhofft. Zwei, drei Trabtritte nur, dann war er an der Hand, das Köpfchen unten, die Öhrchen vor und schnurrte unter mir daher. Wie Philip schon sagte. "Treiben musst du den da draussen gar nicht. Eher mit Stimme bremsen!" Die kleine Routine stellte sich bereits ein, mit der zweiten Runde kam reelle Anlehnung, Nachgeben, "Reiten" - Takt, Anlehnung, Geradeaus. Das Butterfly-Gefühl vom letzten Jahr. Es machte mich strahlen. "Reite zu deiner Freude!". So ist das wohl, auch auf einem dreijährigen Pferd. Gerade auf einem dreijährigen Pferd.

Zum "vollen Programm" gehörte nun auch der erste Galopp ... Das erste Mal angaloppieren gestaltete sich ganz wie damals mit Butterfly, aus einem rauschenden Trab bei völligem Taktverlust fanden wir in unseren ersten Galopp - "Hilfengebung" üben wir noch. Aber was war das für ein Galopp! Gross, weit, rhytmisch durchgesprungen, ich war begeistert! .. und erinnerte mich sofort wie beeindruckt Philip seinerzeit war, als er das erste Mal mit Karlchen galoppierte: "Der hat so einen fantastischen Galopp! Ganz irres Reitgefühl!" Genau so war es. Und die schönste Erkenntnis für mich: er wird auch nicht stark dabei, sondern bleibt ganz bei seinem Reiter. Herrlich! Im leichten Sitz nach der passenden Position für das Zügelmass suchend - eng wollte ich ihn nicht machen, Nase vor bei diesen Sprüngen sollte schon sein. Schwer einzuschätzen, wenn man es selber nicht von unten sieht, aber es fühlte sich richtig und gut an. An der kurzen Seite fiel das Pferd in flotten Trab, das hatte ich so nicht beabsichtigt, aber die recht engen Wendungen mit Blick auf die offenen Wiesen darunter erfordern  ein kleines bisschen mehr Routine. Damit konnte ich gut leben. Handwechsel auf dem Sprignplatz (diesmal achtete ich in meiner Euphorie darauf, dass es auch wirklich ein Handwechsel wurde ...) und alsbald aus der Wendung der Linksgalopp - und der sass auf Anhieb! Guck an! Die Sache mit der Hilfengebung klappt einseitig bereits aus dem EffEff! Und wieder das berauschende Gefühl einer Galoppiermaschine unter sich, was für eine Freude! Diesmal bereitete ich die kurze Seite bewusster vor und wir kamen tatsächlich ganz rum. Möglicherweise ist es für Karlchen linksrum auch einfacher als rechtsrum. Übertreiben wollte ich es aber nicht. Der nasse Boden (nebst reichlich tiefen Pfützen, die wir ebenso in allen Grundgangarten angemessen geübt haben und entsprechend aussahen ....) trägt perfekt, ist aber durchaus kräftezehrend. Müde wollte ich ihn nicht machen und wir hatten ja bereits alles erreicht - das volle Programm eben!

Spassmobil Karlchen - das hatte ich mir so sehr gewünscht! .. und beschloss spontan: selbst wenn Karlchen einmal nicht das Spring- und Buschpferd werden sollte, dass ich mir erhoffe, selbst wenn er kalte Füsse an den Stangen hat, kein Vermögen (schwer vorstellbar bei dieser spürbar kraftvollen Galoppade...) oder sich sonstwie nicht zum Spring- und Buschpferd eignet: mit diesem Reitgefühl hat er sich die Lebensstellung als "nur Freizeitpferd" bereits verdient. Reite zu deiner Freude. Ganz genau so.

Needless to say: Absatteln und abschliessendes Fertigmachen im Stall gestaltete sich erneut auf rosa Wölkchen. Verzückt stand das schlammbespritzte Karlchen vor der Sattelkammer und rührte sich nicht vom Fleck: es fanden eben wieder reichlich Möhrchen und Äpfel ihren direkten Weg in das Pferdemaul ...



5.9.2021

Vom goldenen Spätsommer, Klischees, die keine sind, und tragischen Helden, die sich überflüssig machen ...

September, und der Sommer ist wieder da! Herrlicher Spätsommer!
Sonntagmorgen früh um sechs, Silas und Karlchen auf die Weide bringen, die beiden verlieren sich als Silouhetten im Morgennebel, der von der Aa her die Flussböschung entlang aufzieht und sich träge und satt über die Wiesen legt. Kühle Morgenfrische, zufriedene Pferde im Nebel. Allein daran kann ich mich nicht satt sehen. Es ist jedes Mal die schönste Art, den Tag zu beginnen.

Und doch hat dieser unverhoffte goldene Spätsommer noch so viel mehr zu bieten. Nach dem Boxen misten geht es zu den Fohlenstuten zu Butterfly und Spellbound, der aufgehenden Sonne entgegen. Seit gut vier Wochen ist Butterfly wieder regelmässig unter dem Sattel und Spellbound ist immer mit dabei - die helle Freude, dem herrlichen Fohlen aus dem Sattel heraus um Muttern beim herumtoben zuzusehen ... (weiterlesen bei Butterfly)

...

Zurück in Münster wartet Karlchen, das andere fabelhafte Reitpferd. Mit seinen drei Jahren fühlt Karlchen sich inzwischen ganz genau so unter dem Sattel an wie Butterfly. Hand stehen lassen, aus dem Sitz parieren und einfach unter sich entwickeln lassen. Ich muss mich zwingen, das junge Pferd wirklich nur jeden zweiten Tag und nicht zu oft zu reiten, so viel Freude macht das! Während Butterfly durch ihren bestechenden Takt im Trabe spürbar Welten unter dem Reiter bewegt, möchte man auf Karlchen gar nicht mehr aufhören zu galoppieren... Runde um Runde einfach nur die Hand dran und im leichten Sitz in diesem Galopp mitnehmen lassen. Reite zu deiner Freude! Ganz genau so.

Ein Highlight der besonderen Art war unser gemeinsamer Ritt mit Philip und dem immerhin schon vierjährigen Benny an Karlchens Seite. Wobei Karlchen meist mit gespitzten Ohren vorweg marschiert und mit seinen drei Jahren bereits das gelassene Führpferd im weiteren Gelände gibt. Was für ein Pferd!

Zurück auf der kleinen Rennbahn um die Wiesen stand der gemeinsame Trab an - nebeneinander? Ob das wohl geht mit Benny und Karlchen?
Und wie das ging! Kopf an Kopf trabten die beiden flott und zufrieden Runde und Runde, Philip und ich plauschten von Sattel zu Sattel und hatten unsere Freude an den beiden jungen Pferden! Zeit, Philip ein längst überfälliges Geständnis zu machen: "Philip, du bist mein tragischer Held. Du hast so einen tollen Job mit Karlchen gemacht, dass ich den jetzt ganz allein genau so weiter reiten kann ... Du hast dich tatsächlich selber überflüssig gemacht ...." Und Philip strahlt! Das schönste Kompliment für einen Profi im Sattel, wenn er sich auf einem jungen Pferd nach kurzer Zeit überflüssig macht.

Zeit für einen Galopp zu viert. Tatsächlich schnurren Benny und Karlchen auch im Galopp ganz genau so Kopf an Kopf nebeneinander um die Bahn. Eine Runde? Noch eine Runde! Und wer glaubt, man könne nicht auch im frischen Galopp nebeneinanderher fröhlich weiterquatschen, der hat das so noch nie erlebt. Zufriedene Pferde, strahlende Reiter im Sattel.
Goldener Spätsommer.




8.9.2021

Die längst überfällige Fotosession mit Karlchen!


                                               


                                                                              


                               




19.9.2021

Am Sonntag stand für Karlchen der erste "Auswärtseinsatz" im Gelände auf dem Programm. Ziel war das DOKR in Warendorf mit seinen Idealbedingungen gerade für junge Pferde. Und natürlich durfte auch der Wasserdurchritt nicht fehlen …

Dieser Ausritt war ganz und gar Mel gewidmet, mit der ich früher regelmässig im Gelände unterwegs war. Noch zu Shannons Zeiten, aber auch später noch mit Silas. Wie lange war das her? Gemeinsam fieberten wir seit langem dem Tag entgegen, an dem Karlchen endlich so weit war, in Shannons und Silas Fußstapfen zu treten. Heute war es so weit!

Verladen klappte wie erwartet zügig und problemlos allein. Wer kann das schon von einem dreijährigen Pferd behaupten? Ich bin ziemlich stolz auf mein Karlchen! Abladen in der fremden und durchaus beeindruckenden Umgebung versetzte den braven Kerl dann allerdings in Aufregung - so viel "neu" auf einmal hatte er noch nie gesehen! Als Mel mit ihrem grossen Lui dazukam war ich kurzzeitig nicht sicher, ob der sanfte weisse Riese nun beruhigend oder zusätzlich aufregend auf den kleinen Karl wirkte …  Immerhin stand Karlchen auch beim aufsitzen brav neben unserem blauen Höckerchen, das extra mitgereist war. Donnerwetter, was war ich doch stolz auf das junge Pferd!  

Karlchen fand sichtlich gefallen an dem Warendorfer Wald, klettern, traben und galoppieren, letzteres souverän vorweg (O-Ton Mel), lediglich der Einritt ins Wasser war dem kleinen Karl ganz und gar nicht geheuer. Was allerdings mehr an dem modderigen Einritt, als an dem Wasser selbst lag. Geduldig gaben Mel und Lui ihr Bestes und schliesslich folgte Karlchen seinem neuen grossen Kumpel ins Nass. Zu meiner grössten Freude bedurfte es auf dem Rückweg dann gar keiner Hilfe mehr. Karlchen marschierte sofort und ohne zu Zögern von beiden Seiten allein in das Wasser! Genau so muss künftiges Buschpferd …. Was für eine Freude, dieser brave Kerl!


                                                      


9.10.2021


Das dreijährige Karlchen unter dem Sattel - Eindrücke, die für sich sprechen ...

                                          


                                         

 
                                         

Tausend Dank für deinen engagierten Einsatz hinter der Kamera, liebe Danni!


23.10.2021


Der Stoff, aus dem die Träume sind .... Karlchen im Buschreiter-Paradies!


                                        

Ob wir nicht mit Benny und Karlchen nach Everswinkel zum Geländetraining fahren wollten?
Samstagmorgen und strahlender Sonnenschein, da kam Philips spontaner Vorschlag genau richtig!

Ruckzuck waren die beiden jungen Pferde verladen, geradezu mucksmäusschenstill verlief die Fahrt bis Everswinkel, Benny und Karlchen gaben das perfekte Reiseteam auf dem Hänger.

Lukas nahm die beiden Vierbeiner in Empfang und gemeinsam ging es erstmal in den Stall zum "in Ruhe fertig machen". Karlchen profitierte sichtbar von seinem Kumpel Benny an der Seite. Aufmerksam, aber gelassen besah er die neue Umgebung, Menschen, Pferde, Hunde, es wuselte reichlich um uns herum.  Aufsitzen im Stall, ganz wie zu Hause, und los gings Richtung Geländepatz. Karlchen am langen Zügel immer vorweg, ganz wie zu Hause auch.

"D
ann lass uns gleich Mal ins Wasser reiten!", ordnete Philip an, und Karlchen marschierte brav hinter Benny her in sein drittes Wasser. Nach dem ersten Wasser vor einigen Wochen in Warendorf waren wir kürzlich noch auf dem Geländeplatz bei Korte in Telgte gewesen. Für ein dreijähriges Pferd trotz Führpferd war das Wasser dort nicht ganz einfach. Weshalb ich gespannt war, wie das junge Pferd nun dieses dritte neue Wasser annähme? Ein kurzes Zögern nur, dann waren wir auch schon drin. Vom Fleck weg konnten wir dieses grosse Wasser dann auch allein und von allen Seiten durchreiten. Sehr schön!

Wälle klettern, auch im Schritt. Der Hügel wird nicht kleiner, nur weil man ihn im Trabe erstürmt - Karlchen lernte! Im Galopp gelassen auf der grossen Wiese um die Sprünge aussen rum, das war schon deutlich routinierter als kürzlich noch in Telgte. Man staut, wie sehr so ein junges Pferd doch von solchen Erfahrungen lebt und lernt!

Lukas hatte einen weiteren Dreijährigen an der Hand dabei und hüpfte zu Fuss mit dem jungen Pferd über ein paar kleine Baumstämme. 
Ah! Das war Bilderbuch-Gelände-Intro für junge und jüngste Pferde! Karlchen und ich hatten unser natürliches Führpferd gefunden …

Ich suchte mir den längsten Baumstamm aus und bat Lukas, einmal mit seinem Handpferd vorweg darüber zu "traben" …  Karlchen trabte brav hinterher und hob interessiert den Kopf, als er die beiden über den Baumstamm hüpfen sah. Nase vor, Hand und Beine dran, ich war auf alles gefasst. Auch auf den durchaus gewaltigen Satz, mit dem Karlchen über den Baumstamm setzte - um dann nach der Landung gelassen im Trabe weiter zu bummeln. Keine Explosion, keine Aufregung - unser erster gemeinsamer Sprung!
Wie sehr kann man sich über einen ersten kleinen grossen Sprung freuen? Auf dem selbstgezogenen Pferd, Enkel der eigenen Vollblutstute, mit vier Jahren Wartezeit von der Anpaarung bis zum ersten Mal, kann man sich ganz gewaltig darüber freuen!

Einmal noch allein und ohne Führpferd, dafür von Anfang an mit einem Karlchen, das nun wusste was da kam. Erneut ein grosser Satz gelassen aus dem Trabe und nach der Landung im Trabe weiter - bestens! Mein ganz persönliches Ausbildungsziel des Tages war erreicht, mehr wollte ich gar nicht.

Glücklich und zufrieden sass ich auf meinem dreijährigen Pferd, das ganz offensichtlich ebenso zufrieden mit sich und der Welt war.
Der grosse Teich sollte das Glück dann perfekt machen. Erneut marschierte Karlchen vorweg, quer über den bunten Ponyhof -im wahrsten Sinne des Wortes- es gab so viel zu sehen! Trotzdem machte er seine weiten Meter, und reichlich davon. Mehr als einmal musste Philip uns zurückpfeifen, weil wir einen Abzweig verpasst hatten. Dann standen wir vor dem herrlichen Teich mitten im satten Grün. Buschreiterparadies!
 
Und nun?
Das hier war kein gemachtes Nass, sondern ein echtes grosses natürliches Wasser.
Seit Luhmühlen (vor wievielen Jahren?) hatte ich selber so ein Wasser nicht mehr erlebt. Ich grübelte noch, wie Karlchen hier wohl reagieren würde, da machte er sich schon ganz von allein hinter Benny her auf den Weg. Ohne zu zögern marschierten wir in und durch den Teich und Philipp konnte nur noch rufen:

"Zügel aufnehmen! Abwenden! Das wird tief da hinten! Wenn der plötzlich den Boden unter den Füssen verliert, schlägt er einen Haken und macht einen Satz!"

Aaah!
Was Philip da beschrieb, hatte Karlchen bei Korte im Wasser mit mir praktiziert, mit Glück hielt ich mich damals gerade noch im Sattel. Flugs richtete ich meinen furchtlosen Dreijährigen also auf eine andere Flugbahn aus, zurück zu Philip und Benny ins sichere Tief. Herrlich!

Das war der Stoff, aus dem die Träume sind. Mein Traum. Seit Jahren. Einmal mit einem meiner Vollblutkinder in so einem Wasser, selbst gezogen, ganz allein bis zur Geländereife gefördert ... Es sind Eindrücke wie diese, da strahlt man einfach nur still vor sich hin. Schöner geht nicht.
 

                                            


6.2.2022

Karlchen auf dem Weg zum Buschpferd

Wenn das problemlose Verladen das beste ist, das man vom ersten Geländetraining zu berichten weiss, dann gibt das sehr zu denken ...

Keine Frage, unseren Einstand in der Westfälischen Reit- und Fahrschule hatte ich mir anders vorgestellt. Es begann mit dem einladenden  Mini-Baumstamm in der Abreitehalle, den ich wohlbedacht im ruhigen Trabe ansteuerte und dennoch nicht darauf gefasst war, dass Karlchen uns beide bis unters Hallendach feuern würde. "Übersprungen" nennt man das wohl, und gewaltig so. Der Schreck steckte dem Pferd spürbar in den Knochen und ich musste ihn überreden, die nächsten beiden Male noch halb aus dem Stand über das Stämmchen zu klettern. Erst beim vierten Mal wurde wieder ein flüssiger Trabsprung daraus und ich beliess es dabei.

Die grosse Halle beeindruckte uns beide dann erneut mit den zahlreichen Geländesprüngen und Karlchen hatte reichlich zu gucken. Mehr Neugier als Aufregung allerdings, und ich war guter Dinge. Im Trabe über den ersten kleinen Sprung, wieder deutlich übersprungen, das selbe zurück, das liess sich noch gut an. Sprung zwei aus dem Trabe, ein wahrnehmbarer Baumstamm aus der Wendung bei der kurzen Seite, da war der Ofen aus. Mehrfach Versuche aus dem Trabe, Karlchen liess mich am ausgestreckten Arm verhungern. Kein Zug auf der Uhr, stattdessen beständig bedächtiges beidrehen vorweg. Selbst Sprung eins als Korrektursprung liess sich danach nur noch im zweiten Anlauf an ... Mir ging die Luft aus und das Herz rutschte in die Hose.

Meine kleine Welt brach zusammen. Da sass ich nun das erste Mal in meinem Züchterleben auf einem echten Springpferd und kam selbst im Trabe nicht über die ersten Sprünge? Nach all den zahlreichen ausschliesslich Erfolgserlebnissen auf "nur Dressurpferden" in der Vergangenheit? Fabrice, La Jeanne, Röschens Weasly und selbst Bunny und die Luzifee ... Daran hatte ich die ganze Woche zu knabbern. Meinen Glauben an meinen "Rockstar" Karlchen, der bislang noch nie etwas falsch gemacht hatte, wollte ich keinesfalls verlieren. Im Zweifel würde eben ein reines Freizeitpferd daraus... Und doch ... Selbstzweifel und reichlich davon. Ein starker Reiter war ich nie, aber ich hatte auch nie anders geritten. Gerade meine Jungpferde nicht. La Jeanne und ihre gloriosen Auftritte seinerzeit an selber Stelle noch bei Reitmeister Martin Plewa, der gar nicht mehr aufhörte uns zu loben, weil das Pferdchen so vertrauensvoll eingenständig seine Aufgaben meisterte - das ging mir nicht aus dem Kopf. Jeannie war zu dem Zeitpunkt genau so weit wie Karlchen und ich musste sie nur im Trabe vor die Sprünge lenken und "nichts machen, Sabine, einfach das junge Pferd allein seinen Sprung finden und machen lassen!".

Eine Woche später stand das nächste Geländetraining auf dem Programm, und ich trabte mit einiger Beklemmung durch die Abreitehalle. Erneut vier Sprüngelchen nur über den Minibaumstamm, diesmal von Anfang mit "überreden". Immerhin, nach dem vierten Mal war es ein flüssiger Sprung und ich erwog ernsthaft, es dabei zu belassen und wieder heim zu fahren. Erneutes "am ausgestreckten Arm verhungern lassen" in der grossen Halle würde ich kaum allein korrigieren können. Allerdings hatte ich vorgesorgt. Erstmals trug ich Sporen und hatte eine wahrnehmbare Springgerte dabei, auf dem Weg zu Sprung eins zusätzlich gefühlt "das Messer zwischen den Zähnen!"

Tatsächlich fragte ich mich jeden Meter auf dem Weg zum ersten kleinen Sprung im Trabe, ob es nun Zeit sei das Messer zu wetzen und energisch draufzuhauen? Da waren wir auch schon mit einem grossen flüssigen Satz darüber. Und wieder zurück. Wieder flüssig. Und nochmal aus dem Galopp ... und Sprung zwei. Ach ja. Der leidige wahrnehmbare Baumstamm diesmal aus der anderen Ecke der kurzen Seite, aber eben die selbe Aufgabe ... Ich grübelte noch, da war Karlchen schon darüber geflogen! Und wieder zurück! Zug auf der Uhr und reichlich davon, Karlchen war gar nicht zu bremsen, sobald er den Sprung ins Visier genommen hatte! Kein Gedanke mehr an rechts oder links vorbei - ich war sooo erleichtert!

Tatsächlich hatte ich Freudentränchen in den Augen, so schön war das! ... und endlich das sichere Wissen: wir sind auf dem richtigen Weg! Das Erfolgserlebnis "feierte" ich noch mit einem Spazierritt durch die Felder zur Werse, dann ging es mit einem satten Gefühl von Zufriedenheit nach Hause. Später schrieb mir eine Gruppenkollegin, die ich sehr für ihren Reitstil bewundert hatte: "Dein Kracher wird seinen Weg machen, der hat ja ein Wahnsinnsvermögen. Ich hoffe, du bist heute mit einem ebenso fetten Grinsen wie ich nach Hause gefahren!" So war es.

Karlchen hatte sich vollständig rehabilitiert liess auch in den folgenden beiden Trainings keine Zweifel mehr aufkommen. Immer alles aus dem Trab zunächst, danach flüssig im Galopp und kleine Minikurse über drei bis vier Sprünge, immer im gelassen räumenden Galopp auf den langen Wegen, immer einladend, mitnehmend und einfach nur schön! Erstmals wagten wir beim dritten Mal auch eine rell kurze Hecke aus der Ecke - gar kein Probelm. Kein Schwimmen, kein Zögern. Ich musste mich einfach nur mitnehmen lassen und nicht stören.

Keine Frage: mit einem Profi im Sattel würde Karlchen inzwischen souverän Sprung eins bis acht im Fluss absolvieren. Aber ich bin kein Profi und werde auch keiner mehr werden. Mein definiertes Ziel für diese ersten vier Geländetrainings in diesem Winter war, Karlchen mit dem selben Gefühl im Sattel seinen Weg zu den Sprüngen finden und machen zu lassen, wie La Jeanne es seinerzeit zelebriert hat. Genau das haben wir erreicht. Und vermutlich noch ein kleines bisschen mehr. Anders als La Jaenne und Fabrice verfügt Karlchen in der Tat über unbegrenztes Vermögen. Ganz wie Shannon seinerzeit. Und der hat mir mit Einstellung und Vermögen die schönsten und erfolgreichsten Jahre im Sattel beschert. Die Hoffnung war, dass Karlchen mir zwanzig Jahre später möglicherweise nochmal einen zweiten Shannon beschert. Karlchen scheint auf einem guten Weg dahin!


20.3.2022

Von der grossen Freude am kleinen Sprung!

                                                           


Das erste "Draussen Training" und der Wind pfiff uns um die Ohren. Karlchen war gut drauf und übertrieb mächtig an dem ersten kleinen Sprüngelchen - die helle Freude! Wir konnten genau da weiter machen, wo wir vor ein paar Wochen in der Halle aufgehört hatte: ein paar Sprünge mehr in Serie und das ganze aus dem Fluss.

An zwei Schweineställen gab es dennoch Vorbeiläufer. Den einen konnte ich auf Anhieb durch nochmaliges ruhiges und vor allem bewusst mittiges Anreiten lösen, der andere gab mir Rätsel auf. Unten aus der Ecke kommend, aber doch so tief in die Wendung reingeritten, um dem Pferd eine bewusste Wahrnehmung für den Sprung zu verschaffen - und doch ging es wieder kopflos dran vorbei .... Bis Michael riet: "Denk' beim antreiten mal bewusst an 'durchparieren zum Schritt!'" - Klick - Pferd schliessen - klick - halbe Paraden - klick - halbe Paraden ... siehe da, kaum macht man es richtig, schon funktioniert's!

Beim Abreiten hatte ich noch "Anpaarungen für eine Vollblutstute" mit einer Teamkollegin diskutiert (danke Melli, dass du uns so passend verkungelt hast!) und nach Karlchens ersten Sprüngen rief sie mir spontan quer über den Platz zu: "Den nehm ich! Wir tauschen!! Der ist ja sooo cool und rittig und der hat richtig Vermögen ...!"
Da lacht natürlich das Züchterherz und ich bin gespannt, für welchen Hengst sie sich entscheiden wird .... Gut möglich, dass Capistrano an diesem Tag Diacontinus das Wasser abgegraben hat.



                                                        

16.4.2022  Karsamstag

Freundeskreis Geländetraining in Greven - Karlchen ausser Rand und Band!

                                                      


Ein unerwartetes freudiges Wiedersehen mit Familie Löfken, entspanntes Schwatzen und ebenso entspanntes Einreiten auf den grossen Platz in Greven - Karlchen supercool, dachte ich, und bummelte in Ruhe mit ihm über den Platz und um die Sprünge. Die erste Trabtour gelassen-kernig aussen rum, die zweite Runde behutsam die zahlreichen Wälle mit einbauen - dachte ich. Karlchen war hellewach und äusserst motiviert und flog die langen Wälle förmlich herab. Oha! Der Bub hat Feuer gefangen! Bewusst mit gebremsten Schaum den langen Wall mal herauftraben, weit unten kam uns ein Pferd ein entgegen, Karlchen hämmerte wie ein Steitross auf den Wall und tat einen kurzen Steighüpfer dazu! Derart aufgekratzt hatte ich ihn noch nie erlebt und beschloss, den Übermut aussen rum in ergiebigen Galopp umzuwandeln. Gute Idee, fand Karlchen, und schoss dann auch gleich mal davon. Karlchen im Schuss? Keine Frage, Frühlingsgefühle und reichlich davon, der Platz motivierte mein Pferdchen spürbar! Die helle Freude!

Unser ergiebiges Dressurtraining bei Tina sorgte breits für spürbare Unterschiede im Sattel. Angaloppieren jeweils geschlossen in die Hand und passend rechts wie links - durchspringen und auch im leichten Sitz kontrollierte Spannung - richtig gut! Das erste Sprüngelchen gepflegt aus dem Trabe, dachte ich. Als Karlchen realisierte, wo die Reise hinging, nahm er mir die Hand und knatterte im ungebremsten Galopp auf das Stängelchen zu und sprang gefühlt zweimetersechzig hoch - ich musste breit grinsen, bemüht um Kontrolle. Die, immerhin, gabs nach der Landung leicht wieder. Nur im Galopp sollten wir das Sprüngelchen besser nicht nochmal anreiten, das drohte aus dem Ufer zu geraten ... weite Wendung hin zum Birkenstapel, das selbe Spiel:
als Karlchen sah, wo die Reise hinging, wurde ich zum Beifahrer.

                                                                               


So sehr ich mich über sein überschäumendes Engagement auch freute (was für ein Pferd!), Kontrolle musste sein. Gerade im Busch. Ich hatte also rausgefunden, dass Karlchen gar nicht an vorbeilaufen dachte und ganz sicher nicht bewusst "hingeritten" werden musste. Also kultiviert im Trabe, und wenn er dann ein zwei Galoppsprünge vor dem Absprung von sich aus angaloppierte, war es gut.


                          

Minisprüngelchen, Birkenstapel und eine lange dicke Plantane - und das ganze nochmal andersrum. Immer noch mit deutlich Zug auf der Uhr, aber mittlerweile deutlich kultivierter. Und nach der Landung immer kugelrund vor mir. Man konnte durchaus von "Reiten" sprechen. Und es fühlte sich einfach fantastisch an!



                           

Karlchen hatte sichtbar Spass an der Sache - so soll das sein!

                       


Auf- und Absprünge. Ganz was neues für Karlchen. In diese "Sunken Road" sollten wir uns einfach "reinplumpsen" lassen, vielleicht merkt er ja gar nicht, dass es da "nach unten" geht, riet Michael. Genau so wars. Engagiert bummelte Karlchen hinter den anderen Pferden her, und "plumps" standen wir unten. Mehr reflexartig als bewusst und gerade mit so viel Schwung, dass es für einen knackigen Sprung nach oben raus wieder reichte. Breites Grinsen!! Was hatte ich mit Shannon seinerzeit an diesen Tiefsprüngen zu knabbern gehabt ... Im Team an der Kante entlang Runde um Runde drumrum, um ihm das Vertrauen für den "Flup" nach unten zu geben. "Runter" war Shannon's Sache nicht. Karlchen ist völlig unbesorgt. Ein bisschen hingucken dürfte er allerdings schon ...


                         


Das grosse Billard. Ich fand es ziemlich gross. Zwei Aufsprünge, Karlchen am besten im Troddelschritt .... Und wieder die Frage: zieht er von sich, bleib ich einfach still sitzen oder muss ich doch treiben, damit er gar nicht erst zögert?

Ich hatte noch nicht zu Ende gedacht, da war Karlchen mit einem Riesensatz auf die erste Plattform gesprungen, tat einen zweiten hinterher und katapultierte uns mit Wums nach ganz oben - und fröhlich bockend wieder runter - liebe Güte! Hat er wirklich gebockt? Karlchen???
Das ganze nochmal, "die anderen im Galopp, Sabine besser nochmal nur im Trabe ...!" Sabine entschied in weiser Voraussicht erneut für Troddelschritt und Karlchen knatterte wieder respektlos in die Höhe - diesmal war ich darauf gefasst und nein, er bockte nicht auf dem Weg nach unten.  Aber er war sichtlich vergnügt und engagiert unterwegs! Die helle Freude!

Das ganze in die andere Richtung den Billard runter springen! Oha! "Sabine, du kommst am besten im Schritt..." Ja, besser ist das .... Im Troddelschritt nach oben geritten und Karlchen zieht (!) zur Abgrundkante, ein Satz nach unten, noch einer direkt hinterher, und diesmal feierte er die wiedergefundene Bodenhaftung deutlich mit Bocksprüngen! Karlchen bockt!!!
Ich war darauf gefasst gewesen, eine echte Herausforderung allerdings: nicht zu weit nach vorn kippen, reichlich Zügel geben und dann Unterschenkel bewusst nach vorn und tief zurück in den Sattel ...  Hat auch geklappt! "Du musst die Zügel nicht ganz so schnell wieder aufnehmen damit er die nötige Zeit hat ..." Ja klar, Zeit zum losbocken ... Es w a r ein grosses Vergnügen und ich habe mich so gefreut weil mein Pferdchen sich so gefreut hat!

Reiten macht Spass - allen Beteiligten!


                        


Das Wasser. "Alle mal hintereinander im Schritt dadurch!" Karlchen und ich waren eigentlich die letzten, aber vor uns war jemand stehen geblieben und klemmte... "Ich glaube, ich kann helfen! Ich glaube da geht Karlchen wohl so rein und du kannst einfach hinterher..." Genau so war es. Einmal energisch treiben und Karlchen marschierte laut platschend in und durch das Wasser! Herrlich!
Das ganze nochmal im Trabe und er tat einen "Hups" mitten im Wasser! Was soll ich sagen? Ich hatte es geahnt und mich sehr um einen festen Sitz bemüht - und musste schallend lachen! Kaum waren wir raus, gabs noch einen deftigen Bocksprung hinterher - keine Frage, Karlchen war gut drauf!

                      


Selbst während der grossen Warteschleifen in Wassernähe tat mein Karlchen plötzlich unverhofft einen queren Sprung in die Luft, so habe ich ihn noch nie erlebt! Und war ziemlich stolz, dass ich das alles sicher ausgesessen habe .... Die Bügel hatte ich vorsichtshalber erst nach den ersten Sprüngen auf angemessen kurzes Buschreitermass verkürzt und habs dennoch ausgesessen... man staunt, was alles noch geht...

                                                                                 

"Sabine, ihr seid fertig!" Ja, man muss aufhören wenns am besten ist! Nach dem letzten Galoppwasser (das einzige Mal, dass ich wirklich treiben musste - das Wasser kostet Karlchen merklich Kraft) liessen wir den Gang drin und gloppierten noch eine gediegene Runde vorwärts abwärts aussen um den weiten Platz - Träumchen!

19.4.2022

Am Dienstag erreichten mich die Fotos von Tina Löfken und es raubte mir kurz den Atem! Was für herrliche Bilder! Nur zu gern verlinke ich an dieser Stelle Tinas Instagram Account 'my_simply_nature', als Kontaktadresse für alle Interessenten an Tinas Fotografie - es lohnt!

Liebe Tina, ich hatte Tränen in den Augen, so sehr habe ich mich über deine Fots gefreut - danke!

                                                                                 



23.4.2022

Karlchen in Greven - "Gelände-Revival" mit Mel!

Dem puren Zufall und ganz und gar alter Zeiten Gedenken war es geschuldet, dass Karlchen und ich eine Woche später erneut nach Greven zum Geländetraining fuhren. Geländetraining bei Mel!

Mehr als zwölf Jahre ist es her, dass Melanie und ich gemeinsam im Busch unterwegs waren. Damals noch mit Shannon, und später auch mit La Jeanne, und es war meine schönste Zeit im Sattel. Zwölf Jahre später habe ich nun in Karlchen endlich wieder ein Pferd, mit dem ich dort weitermachen kann, wo wir damals aufgehört haben.

Melanie hatte den Platz in Greven gebucht und es sollte unser gemeinsames "Gelände-Revival" werden, ganz in alter Eberhard- und Martin Plewa-Manier ... Und getreu unserer Referenzen aus alter Zeit wusste Melanie auch alle Knöpfe bei mir zu drücken, die ich nur sehr ungern gedrückt haben wollte: Bewusst aufrecht sitzen bei Tiefsprüngen, Kopf hoch, Oberkörper aufrecht und "dem Pferd zum Sprung den Zügel lassen - Hand vor und den Sprung allein suchen und machen lassen!" 

Es geht doch nichts über eine gute, alte Freundin, die die Schwächen schonungslos offenlegt ...

O-Töne Martin Plewa, der genau auch diese meine Knöpfe seinerzeit im Sattel von La Jeanne zu drücken wusste, als Jeannie bereits so grandios in Karlchens Alter im Busch unterwegs war. Und ja, es kostete Überwindung, dem übereifrigen Karlchen auf dem Weg zum Sprung einfach den Zügel zu geben - der kleine Mann explodierte geradezu ... Es reichte völlig, alles was da kam aus dem Schritt anzureiten. Kaum wurde Karlchen des Sprunges gewahr, zog er an. Mit der Landung hielt dann regelmässig wieder die Ruhe Einzug in den kleinen Karl und der Reiter gewann Vertrauen zum Pferd. Das war auch dringend nötig, denn Mel hatte einiges vor mit uns. Tiefsprünge, idealerweise ohne Überschlag...

Aus dem Schritt Richtung Stufe und Karlchen hüpfte los, "Zügel los, Kof hoch, Oberkörper!!!" tönte es von Mel und siehe da - es lief! Selbst mit Mel-verordneten super-kurz Bügeln, die mir das Aussitzen von Übermutsbucklern danach durchaus herausfordernd gestalten. Dass ich trotzdem zu keinem Zeitpunkt unsicher war, war die schönste Bestätigung, im Sattel doch auch etwas richtig zu machen ...

Wie oft und mit welcher Freude ich mir die MiniClips dieser Tiefsprüngelchen auf WhatsApp später angesehen habe, kann ich nicht sagen. Ich hatte jedes mal ein breites Grinsen im Gesicht. Ob wir noch eine Wünsch-dir-was-Liste hätten?, fragte Mel. Oh ja! Mein Wunsch war, einmal einen offenen Graben zu springen. Sowas hatte Karlchen bis dahin noch nicht gesehen. "Mit Führpferd!", ordnete Mel an. Keine Frage. Graben, "Guck!", und Supersatz darüber, war eines, und beim zweiten und dritten Mal ohne Führpferd bereits ein souveränes Selbstverständis für das junge Pferd. Was für ein unerschrockener braver Kerl!

Zu meiner grossen Freude war auch Freund Klaus mit dabei, ausgewiesener Busch-Experte der er ist, und er war voll des Lobes über den unerschrockenen, motivierten jungen Karl. "Erhalte dir den bloss wie er ist,mach den nicht sauer!", lautete Klaus' guter Rat und Recht hat er. So ein Pferd ist ein Geschenk, und "weniger" ist deutlich mehr!

Der krönende Abschluss war dann die finale kleine Runde inclusive Wellenbahn mit nicht geübtem Baumstamm-Absprung im Galopp, auf die Mel uns schickte - ein Fest! Karlchen sah, zog und sprang, ganz egal was da kam! Beseelte Euphorie beschreibt das Gefühl wohl am besten, mit dem ich mein Karlchen an diesem Tag nach Hause gefahren habe. Genau so hat sich das damals mit Jeannie auch angefühlt. Was für ein Pferd!


5.5.2022

Als Melanie sechs Wochen später den Platz in Hamm- Rhynern gebucht hatte, stand unser zweites "Gelände-Revival" auf dem Programm. Wir hatten alle über "Karlchen-Supermotiviert" dazugelernt und blieben dem Grevener Muster treu:

im Trabe anreiten reicht, im Zweifel aus dem Schritt.
"Hand vor, Kopf hoch, Oberkörper!!!" tönte es erneut allüberall von Mel und Karlchen zog, sprang und kletterte unbekümmert und motiviert alles, was da kam ... Wieder waren es die schönsten WhatsApps, die mich im Nachgang erreichten, und die ich wieder und wieder unter Beibehalt der Tonspur (Mel!) mit einem breiten Grinsen im Gesicht studiert habe. Danke, Ulla Lülf, für diese umfangreichen begleitenden Videoeindrücke! Besser kann man selber im Nachgang nicht lernen!

                                      

Den langen grossen Wall raufklettern, Baumstamm-Aufsprung und einige wenige Galoppsprünge nur bis zum Absprung, und "ich stell mich euch auch in den Weg, damit Karlchen hier oben auch Mal bremst!", tönte Mel wohlweislich und engagiert. Ganz und gar ausbremsen auf dem Weg zum Tiefsprung liess der kleine Kerl sich allerdings nicht, dennoch wurde es noch eine akzeptabel flüssige Sequenz - gefühlt mit überschäumendem Bocksprung als wir wieder unten angekommen waren und ich war bannig stolz, als ich das selbst mit "Mel-verkürzten-Bügeln!" ausgessen habe. Und wiederholt gebotenem "Kopf hoch!", selbstverständlich!
     
Auf meiner ganz persönlichen Wünsch-dir-was-Liste zum Abschluss stand diesmal der erste überbaute Graben, den dieser Geländeplatz im hinteren Bereich im Ideal hergibt. Auf ein Führpferd wollte ich heute bewusst verzichten und statt dessen ganz bewusst herausfinden, ob der kleine Karl nach ausgiebigem Auf- und Abreiten am langen überbauten Graben die Herausforderung nicht auch ganz allein annahm. Er nahm. Und zwar mit Verve! Melanie platzierte alle übrigen Kursteilnehmer gut sichtbar hinter dem Sprung und Karlchen nahm im lässigen Trab Kurs auf unseren ersten überbauten Graben. Das Hindernis realisieren und von sich aus mit Zug im Galopp darauf zu, war eines - Mel's Tonspur zu diesem beeindruckenden Sprung ist legendär! "Hand vor, Oberkörper hoch! Oben! Kopf hoch! Bleib hoch!" Knaller!

Weniger ist deutlich mehr, dazu gehört aufhören, wenn es am schönsten ist. Für das übermotivierte Karlchen war es genug, da waren wir uns beide einig. Einmal mehr uneingeschränkte pure Freude im Sattel (und vermutlich auch darunter) und erneut eine Heimfahrt in beseelter Euphorie - Reiten macht richtig Spass! Danke, Mel! 




13.5.2022    Das erste Turnrier

Freitagmorgen stand die erste Springpferdeprüfung für Karlchen auf dem Programm. Fünf Pferde hatte Kim dabei, davon zwei in der "kleinen" Ein-Sterne A. Kims Routine tat mir gut. Ich war die einzige, die wirklich nervös war ...

"Was für eine Freude, auf so einem braven Vierjährigen zu sitzen!", rief Kim mir vom Abreiteplaz zu. Wasser auf meine Mühlen! Und natürlich war ich stolz auf mein Karlchen, noch bevor die beiden überhaupt in den Parcours schritten. Lässig und gelassen. Eine Spur zu gelassen, fand ich, als Kim entspannt den ersten Sprung anritt. Karlchen-Bummel. Ich hatte es kaum zu Ende gedacht, da hatte Karlchen den Sprung im Visier: Nase vor, Öhrchen vor - das volle Engagement!

                                    

In typischer Karlchen-Manier zog er unter Kim daher, grosse weite Sätze eben, wie das so seine verschwenderische Art ist. Den letzten Sprung hat er dann klar unterlaufen, die vordere Oxerstange fiel. Schade eigentlich, aber "das muss er eben lernen!", lautet Kims Credo, die hoch zufrieden war.

Eine Ehrenrunde gab es dennoch. "Kann er sich schonmal dran gewöhnen!", lachte Kim wieder, und nahm die Schleife für ihre junge Stute in Empfang. Ich hatte meinen Spass an den beiden. Karlchen-supercool, zuckersüss geschmückt mit fremden Federn und durch nichts zu beindrucken.

7,7 und der Abwurf, zwei raus aus der Platztierung. Und ich war bass erstaunt, als ich später die Ergebnisliste las: lauter Fünfjahrige dabei! Ich hatte angenommen, hier seien nur Vierjährige am Start gewesen ... Da muss man sich nichts schönreden. Das wird ein aufregender Sommer mit Kim und Karlchen!


20.5.2022

Turnier Nienberge

Das zweite Turnier für Karlchen und die erste makellose Nullrunde in der Springpferde A mit Kim in Nienberge. Wir waren erneut begeistert von dem jungen Pferd; unbeeindruckt, motiviert und grosse Sätze in typischer Karlchen-Manier flüssig über den gesamten Kurs. Nur die Wertnote konnten wir nicht wirklich nachvollziehen. Das war deutlich mehr wert als eine 7,4? 

Egal. Karlchen durfte sich erneut mit fremden Federn schmücken und nahm zur Ehrenrunde ein weiteres Mal die Siegesschleife für Kims Stütchen in Empfang. Ehrenrunde kann er nun wirklich. Eine Frage der Zeit, bis er seine eigene Ehrenrunde drehen darf, da waren wir uns einig.


27.5.2022

Turnier Hamm Rhynern

Das dritte Turnier für Karlchen und diesmal die Möglichkeit, eine * und ** Springpferde A nur für 4-jährige Pferde hintereinander zu absolvieren. Erneut ein Freitag, und eigentlich musste ich diesmal auch ins Büro ... Weshalb Karlchen hinter dem Sprinter angehängt wurde, so dass ich den Turnierplatz in Hamm Rhynern zügig verlassen konnte.
 
Erneut ein unbeeindruckt-motiviertes Karlchen und trotz einmaligen Galoppwechsels über Trab eine 7,7 und die erste Platzierung! Platz vier für Kim und Karlchen, der sich erneut zur Siegerehrung mit fremden Federn schmücken und zu der eigenen blauen auch wieder die Siegerschleife für Kims Stütchen in Empfang nehmen durfte. Immerhin! Diesmal schmückten ihn auch eigene Federn, da durfte dann der Züchter mit aufs Bild und freute sich wie verrückt!

                                                                      

Für die nachfolgende **Prüfung hatte ich etwas Sorge, dass der kleine Tank schon ziemlich leer sei. Das Gegenteil war der Fall. Schon auf dem Abreiteplatz schoss Karlchen übermotiviert daher, selbst Kim war beeindruckt. In der Prüfung dann aus er Wendung auf dem Weg zum Oxer im Aussengalopp die verständliche Irritation (so schnell liess sich der Galopp diesmal nicht mehr über Trab korrigieren), der folgerichtig die Oxerstange zum Opfer fiel. Danach ging es allerdings unbeeindruckt in der typisch grosszügigen Karlchen-Manier makellos weiter. 7,6 und 0,5 Abzug. Schöngeredet wäre das ohne Abwurf noch trotz des Aussengalopps ein weiteres Mal der vierte Platz gewesen. Damit konnten wir sehr gut leben!

                                                   

Das Tüpfelchen auf dem "I" war der spontane Besuch von Silas-Andrea, die sich allerdings beklagte, ich könne unsere nahen Karlchen-Auftritte auf dem Platz in Hamm Rhynern doch mal etwas vorzeitiger avisieren? "Dann hätte ich Silas auch noch mitgebracht!", grinte sie mir fröhlich lachend zu. Dumm nur, dass mir die Assoziation zu Silas-Andrea im nahen Lippborg immer erst kurz vor dem Kamener Kreuz kommt :-)



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